Glosse : Rettet Fomo!

Jetzt, wo mehr Zeit zum Nachdenken bleibt, müssen entscheidende Fragen gestellt werden. Was ist zum Beispiel aus Fomo geworden? Das war einmal die trendige Angst, etwas zu verpassen („Fear of missing out“).

Jetzt aber gibt es keine Veranstaltungen, keine Treffen mehr, die verpasst werden könnten. Herrscht nun die Angst, nichts mehr zu verpassen – in Trendsprache vermutlich „Fear of missing nothing“ (Fomn)? Oder die Angst, sich keine Pseudoprobleme mehr einreden zu können – „Fear of missing fake problems“ (Fomfp)? Kenner merken gleich: Beides klingt nicht so gut und ist daher schwer zu vermarkten. Deswegen muss in einer spektakulären Aktion „Rettet Fomo“ die Sichtweise erweitert werden. Schließlich gibt es auch in der Isolation einiges zu verpassen. So kann im Home-Office übersehen werden, dass die Pflanze im Nebenzimmer gerade ein Blatt verloren hat. Dieser einzigartige Moment, wo es heruntergefallen ist – unwiderbringlich! Zwar lässt sich zu diesem Phänomen auch bei brutalstmöglichem In-sich-Hineinhorchen maximal leise Wehmut feststellen – und keine Angst. Aber umso schlimmer, würden Fomo-Fans erleichtert seufzen. Denn da wurde sogar die Angst verpasst.