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Glosse Ostern: Das Fest des Suchens

Ostern : Das Fest des Suchens

Die Freude über Ostern kann gar nicht groß genug sein. Denn während die Kirche die Auferstehung Jesu feiert, wird bei den Osterbräuchen eine oft lästige Handlung zum Ritual erhoben: das Suchen.

Das entlastet sehr. Wird doch ein Mensch, der immer wieder seinen Schlüssel, seinen Stift oder wichtige Papiere verlegt, als „zerstreut“ diskriminiert. Wer aber erfolglos Ostereier sucht, kann die Schuld anderen in die Schuhe schieben – etwa dem Osterhasen, oder seinem menschlichen Vertreter. Schließlich hat dieser die Eier an so unmöglichen Orten versteckt und muss sich hinterher erinnern, wo sich diese befinden.

Da das Suchen zu Ostern zudem meist in fröhlicher Atmosphäre stattfindet, sollte es künftig allgemein nicht mehr als Scheitern der Ordnung gelten. Sondern als schöner Zeitvertreib. Eigentlich ist es im Sinne der digitalen Entgiftung sogar ein anspruchsvolles analoges Hobby. Schließlich hilft das Navi bei der Suche nach dem Schlüssel nicht weiter, wird die eigene Wohnung oft ganz neu erlebt. Und diese schöne Ausrede muss künftig keiner mehr suchen – sondern sich nur daran erinnern, wo er sie zuletzt gelesen hat.