Glosse : Locken down

Vom Lockdown war in den vergangenen Wochen oft die Rede. Aber die Warteschlangen am ersten Frisör-Öffnungstag zeigen nun, was die Menschen wirklich bis zu den Haarwurzeln gequält hat: der Verfall der eigenen Frisur, oder wie es auf gut Denglisch heißen müsste „Locken down“.

Denn die Lage auf den meisten Köpfen ist mittlerweile desolat. Einige wissen gar nicht mehr, ob sie mal Locken hatten, ob das noch Stufen sind, Fransen oder ganz neue Evolutionsformen des Haares. Manche möchten schon beim Blick in den Spiegel am liebsten den Mundschutz aufsetzen, in der trügerischen Hoffnung, dass sie sich selbst dann nicht mehr erkennen. Aber ein Blick in die übersichtlich gewordene menschliche Umgebung sagt: Wer soll es sonst sein?

Außerdem ist es der natürliche Impuls von Frauen, in lebensverändernden Situationen erst einmal zum Frisör zu gehen. Das liegt einfach in ihrer DNHaar – jedenfalls dann, wenn man wissenschaftliche Fakten ein wenig frisiert. Und irgendwo muss man ja anfangen. Denn jetzt, wo der Frisörtermin näher rückt, ist jeder Warte-Tag zum Haareraufen. Aber das wirklich Schlimme ist: Das Raufen fällt gar nicht mehr auf.