Glosse : Der letzte Strohhalm

Der Plastikhalm hat ein schlechtes Image, ist er doch quasi alleinverantwortlich für den Klimawandel. Wer nämlich nur 50 Cocktails täglich mit stets wechselnden Plastikhalmen trinkt, kann sich die Umwelt nicht mehr schönsaufen, sagt ein Experte namens A. M. Ballermann.

Aber es gibt Ersatzhalme.

So werden manchmal Edelstahlhalme gereicht, die dem Getränk einen gewissen metallischen Nachgeschmack geben. Das hat Vorteile. So fällt es kaum auf, wenn das Getränk mit Blei vergiftet wurde. Denkbar sind auch Duelle mit Edelstahlhalmen über die Frage, wer am Ende die Getränke bezahlt.

Glashalme sorgen für ein gemütliches Klirren – da kann sich auch der Alleintrinker einreden, er stoße gerade mit jemandem an. Nicht empfehlenswert für Partys sind dagegen Nudeln als Halme. Wenn man lange vermeintlich cool mit einem Getränk herumsteht, wird die Nudel weich und schrumpft. Das ist als Symbolik oft unerwünscht. Ob all das letztlich die gewünschte Wirkung zeigt, bleibt offen. Denn in seiner Suche nach Lösungen klammert sich der Mensch immer wieder an den letzten Strohhalm. Und dann kommt doch noch einer.