Glosse : Land des Lächelns

Wer lächelt statt zu toben, ist immer der Stärkere, behauptet zumindest eine alte asiatische Weisheit. Das mag Skeptiker leise zweifeln lassen, schließlich lächeln die Armeen der Welt in Konflikten ja selten gegeneinander an, und nachher lacht der Sieger eher hönisch.

Aber vermutlich sollen sie über diese Weisheit auch gar nicht nachdenken, sondern nur sehr milde lächeln. Möglicherweise hat die Wahrheit aber hier doch wenigstens ein bisschen geschmunzelt. Denn das Verhältnis von Macht und Lächeln zeigt sich nie so deutlich wie beim Besuch des Zahnarzts. Mit einer kleinen Betäubungsspritze bremst dieser Übermächtige die fröhliche Bewegung der Mundwinkel seiner Patienten unfair aus – und tut danach Dinge, nach denen ihnen auch gar nicht mehr zum Lächeln zumute ist. Insofern passt es wieder.

Immerhin hat der Entlächelte dann oft lange Zeit, um betäubt darüber zu sinnieren, warum der Zahnarzt eigentlich einen Mundschutz trägt. Vermutlich gar nicht aus Hygienegründen, sondern aus Taktgefühl. Denn dann sieht der Patient wenigstens nicht, was seine mächtigen Mundwinkel dahinter machen.