Glosse : Juckende Stiche

Wer das Insektensterben beklagt, hat vielleicht global recht – aber in vielen Schlafzimmern noch nicht nachgesehen. Denn dort tummeln sich derzeit große Populationen völlig ohne die gebotene Abstandsregelung am Buffet Menschenkörper.

Diese sollen die juckenden Stiche natürlich nicht aufkratzen. Forscher der Universität Lübeck haben nämlich jetzt eine neue stichhaltige Lösung: Wer beispielsweise auf den rechten Arm gestochen wird, soll die entsprechende Stelle auf dem linken Arm kratzen. Das verwirre das Gehirn – und projiziere das Gefühl des Kratzens auf die juckende Stelle. Möglicherweise zeigt es, wie die bittere Lebenserfahrung sagt, aber auch nur den Mücken: Hier wäre zum Zustechen noch ein Platz frei.

Sicherlich haben die Forscher trotzdem recht, schließlich funktioniert dieses Prinzip erfahrungsgemäß auch sonst gut. Manchen juckt es, seinen Chef anzubrüllen – doch stattdessen schreit er seinen Partner oder Kollegen an anderer Stelle an. Und manche haben sogar dauer­haft eine Klatsche – aber die ist ganz woanders als die Mücke.