Glosse : Herbst-Blues

Manche erfreuen sich gerade an den bunten Blättern, wissen aber dabei in ihrer Ahnungslosigkeit offenbar nicht, was die Stunde geschlagen hat. Denn es wird Zeit für den Herbst-Blues.

Vor diesem warnen bereits Nervenärzte und geben Tipps: Licht, Luft und Freunde sollen helfen, heißt es – und man sollte sich im Herbst beruflich und familiär nicht zu viele Aufgaben aufbürden. Diese umfangreiche Maßnahmenliste macht aber mehr Angst als der Herbst-Blues selbst.

Schließlich ist diese Jahreszeit die letzte soziale Verschnaufpause vor dem Advent. Wie sollen da noch Licht, Luft und Freunde hereinpassen – also Outdoor-Aktivitäten und abendliche Treffen? Wer abends auf dem Sofa abhängt, leidet vielleicht nicht unter einem behandlungsbedürftigen Stimmungstief. Sondern will sich nur ausruhen – bei schummrigem Licht, ohne Frischluft oder Gespräche. Aber das ist heute schon sehr verdächtig.

Und so könnten die Ratschläge zur Überforderung und damit letztlich auch in die Irre führen: Wer nämlich in einem vermeintlich lichten Moment seine Freunde an die Luft setzt, vermeidet zwar den Herbst-Blues. Aber nur weil er auch noch im Winter frustriert ist.

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