Glosse: Freie Wahlen in der Türkei

Erdogan als Wahlhelfer : Freie Wahlen in der Türkei

Kurz vor der Wahlwiederholung in Istanbul hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Medienoffensive gestartet.

Über seinen Fan-Kanal „Boss vom Bosporus“ kündigte er an, am Sonntag als Wahlhelfer aufzutreten. Er werde bei allen Wählern klingeln, sie müssten dann nur noch nicken, beschrieb er seinen unbürokratischen Plan. Viele hätten schlicht keine Lust, vor die Tür zu gehen und hätten es nicht so mit Schreibzeug und Papier. Man müsse es den Menschen nicht unnötig schwer machen. Die Nachwirkungen des Ramadan (Trägheit, allgemeine Lustlosigkeit) dürften die Wahl nicht zu Ungunsten seiner Partei AKP beeinflussen. Das wäre islamfeindlich und eine Verschwörung des Westens.

Im Sinne eines reibungslosen Ablaufs werde jeder, der schwarze Haare hat und jede Frau mit oder ohne Kopftuch und jedes Kind von 0 bis 14 Jahre automatisch als AKP-Wähler gezählt. Seine Medienoffensive soll Erdogan mit einem einprägsamen Appell beendet haben (Achtung, Fake-News!): „Und wenn ihr Presse-Nazis irgendetwas falsch darstellt, stecke ich euch alle ins Gefängnis.“ Leider war kein freier Journalist mehr im Land, um diese Friedensbotschaft zu verbreiten.

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