Glosse: Die Pflicht zum Naschen

Glosse : Die Pflicht zum Naschen

Die Woche nach Ostern ist nichts für Diät-Weicheier. Gilt es doch, im Sinne eines verantwortungsvollen Lebensmittelkonsums alles aufzuessen, was der Osterhase ins Nest legte. Alles! Zwar erzeugt nach der Überdosis der Feiertage mittlerweile schon der Anblick von Schokoladen-Eiern bei den meisten leichte Übelkeit.

Und selbst das Büro ist kein Zufluchtsort vor Süßigkeiten mehr. Versuchen doch alle Kollegen ihrerseits, ihre Osternest-Reste zu verteilen. Frei nach dem diesmal völlig „MeToo“-freien Motto: Wer zuerst zugreift, hat verloren.

Auch der Schokoladenhase, der noch vor wenigen Wochen so verlockend schien, wirkt nicht mehr ganz so sympathisch. Vielleicht ist er gar nicht Opfer naschsüchtiger Menschen, sondern süßer Sargnagel für ihre Bikinifigur.

Aber alles Jammern hilft nichts, ist doch der Verzehr der Ostersüßigkeiten politisch korrekt und daher Pflicht. Zum einen erinnert der schweizerische Ausdruck „Schoggi“ für Schokolade an den ermordeten Khashoggi, es handelt sich also um wertvolles Gedenken. Zum anderen ist nachösterliches Naschen nachhaltig. Denn die Kilos, die daraus folgen, gehen so schnell nicht wieder weg.