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Glosse: Britischer Sommernachtstalbtraum

Glosse : Sommernachtsalbtraum

Das nicht enden wollende Brexit-Drama um den britischen EU-Ausstieg wahrlich ein Schauspiel Shakespeare’schen Ausmaßes. Nur weiß man noch nicht, was uns da am Ende geboten wird: eine Tragödie oder eine Komödie?

Wahrscheinlich von jedem ein bisschen etwas.

 Der große alte Meister aus Stratford-upon-Avon wäre über das Treiben im britischen Unterhaus sicherlich im höchsten Maße amused, besitzt dieser Austritts­zirkus doch alle Zutaten seiner eigenen Stücke: Machtgier, Rachsucht, Ränkespiele, giftige alte Männer, hysterische Frauen und in Gestalt des Unterhaus-Speakers John Bercow einen vollendeten Narren.

 Das ist „Macbeth“, „King Lear“ und „Der Sturm“ in einem – und zusammen ergibt das einen veritablen „Sommernachtsalbtraum“. Besseres hätte der Dichter seinerzeit nicht auf die Bühne des Londoner Globe-Theaters bringen können. Aber bei diesen Dingen konnte man sich bei Shakespeare gewiss sein: Er schrieb keine Dramen, die die Welt nicht brauchte, und spätestens nach dem fünften Akt war bei ihm Schluss.