Glosse : Alles ist Yoga

Welch ein Dilemma! Einerseits ist Yoga ein Mega-Trend, andererseits lassen sich die Übungen nicht immer achtsam in den engen Zeitplan quetschen. Doch möglicherweise hilft die richtige Einstellung.

So lässt sich nämlich mit etwas gutem Willen fast alles zu Yoga erklären. Beim Wacken-Festival etwa gab es am Wochenende ein „Metal Yoga“, in das die Luftgitarre als Übung integriert wird. Und statt „Omm“ riefen die Metal-Yogis „Wacken!“ Das ist spirituell sehr weit gefasst, kann aber vielleicht Vorbild für andere Bereiche sein. Wie wäre zum Beispiel „Heimwerker-Yoga“ mit der Figur „Der Hammer“ und dem gleichzeitigen Mantra „Aua“? Oder ein gemütliches Wein-Yoga mit der gemeinsamen Übung „Der ins Glas schauende Hund“? Auch Umzüge würden plötzlich spirituell aufgewertet, sind sie doch im Grunde nur Kisten-Yoga und eine Meditation über die Vergänglichkeit aller Behausung. Aber auch derjenige, der nur faul mit rundem Rücken im Liegestuhl hängt, kann das mit dem richtigen Selbstmarketing als Yoga verkaufen. Denn er hat seinen Ehrgeiz weggeatmet und macht die totale Endentspannung im Liegestuhlsitz – weil er den Lotussitz losgelassen hat.