Die Sache mit den bösen Nachbarn

Friedlich ist besser : Schranken in Köpfen und auf Wegen

Zu einer objektiven Berichterstattung gehört es, beide Seiten zu hören. Das ist nicht jedem bewusst, der sich wegen eines vermeintlichen Unrechts an die Redaktion wendet.

Streit unter Nachbarn ist ein schier unerschöpfliches Thema. Gerne wird von Beteiligten solcher Auseinandersetzungen versucht, die Saarbrücker Zeitung als Kronzeuge zu missbrauchen. So auch jetzt wieder geschehen. In einem Dorf im Kreis, dessen Namen wir hier nicht nennen wollen, um weitere Eskalationen zu vermeiden, schwelen wohl schon seit Jahren Querelen zwischen zwei älteren Herren mit landwirtschaftlichem Hintergrund. Es geht um Wegerechte, die einer dem anderen nicht einräumt, um Wiesen, auf denen Gerümpel verrottet und angeblich schlechte Tierhaltung.

Die Autorin dieser Zeilen, alarmiert vom Anruf eines der betreffenden Herren (“Das müssen Sie sich unbedingt ansehen!“), reiste in den Ort, um sich selbst ein Bild zu machen. Mit dem Beschwerdeführer auf dem Beifahrersitz ging es über Stock und Stein ins Gelände, um die Freveltaten in Augenschein zu nehmen. Die zuständige Gemeinde bekam auch ihr Fett ab, wurde beschuldigt, untätig zu sein und höchstselbst illegal Schutt in der Landschaft abzuladen. Als unzumutbar wurde auch eine neu aufgebaute Schranke an einem Feldweg vorgeführt.

Was die Leute, die eine Lokalredaktion vor ihren Karren spannen wollen, immer gerne vergessen, ist die Tatsache, das Journalisten gehalten sind, immer auch die „andere Seite“ anzuhören. Und so wurde rasch klar, dass es im konkreten Fall um eine seit Jahren schwelende Fehde geht. Mehrmals im Jahr würden sich die Beteiligten bei der Polizei wegen der unterschiedlichsten Delikte anzeigen, ließ die angefragte Gemeindeverwaltung wissen. Und da eine Redaktion weder Schieds- noch Schlichtungsstelle sein kann und auch keine juristische Hilfestellung zu geben vermag, wird unser oben genannter Anrufer auf eine Berichterstattung in seinem Sinne verzichten müssen.

Eine gute Nachricht gibt es für ihn aber doch: Der Bürgermeister ließ wissen, dass man über eine Versetzung der Schranke, die einen geschützten Landschaftsbestandteil vor Autoverkehr bewahren soll, reden könnte. Damit sein landwirtschaftlicher Fuhrweg nicht in die Straße ragt, wenn er zum Öffnen der Schranke (Landwirte erhalten einen entsprechenden Dreikantschlüssel) davor anhalten muss.

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