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Glosse: Deutlichere Durchsagen

Glosse : Deutlichere Durchsagen

Es war doch alles so schön. Wer am Bahnhofsgleis plötzlich aufgeregtes Genuschel aus dem Lautsprecher hörte, wusste: Jetzt passiert etwas! Oder es passiert erst einmal nichts, das aber mit Ansage.

Nun jedoch soll es mit der Spannung vorbei sein. Denn die Ansagen sollen deutlicher werden. DEUTLICHER! Das klingt so erschreckend, wie es tatsächlich ist. Weiß dann der Kunde doch etwa unmissverständlich, dass der Regionalzug auf Gleis 21 eine halbe Stunde Verspätung hat. Daraufhin lässt er alle Hoffnung fahren, die Bahn aber keinen Zug. Das macht ihn unglücklicher, als wenn er nur Bahnhof versteht.

Nicht auszudenken, wenn etwa im Waggon künftig nicht nur zu hören ist: „Wegen einer technischen Störung haben wir derzeit eine Verspätung von 15 Minuten.“ Sondern die Stimme ganz deutlich sagt: „Schuld ist Kollege Meier.“ Oder den Fahrgästen schonungslos verkündet „Anschlusszüge erreichen? Dann rennt mal schön!“

Nein, diese Deutlichkeit hat im Bahnverkehr nichts zu suchen. Schließlich ist es dort Brauch, die wahren Beziehungen zum Kunden schön zu verschleiern. Der muss zwar immer mehr zahlen, heißt aber  trotzdem „Fahrgast“.