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Der Versuch der geschlechterneutralen Sprache treibt immer neue Blüten

Glosse : Wenn Mann zum Merz wird

Gestern war ich nach der Lektüre der Frauenzeitschrift, die meine Gattin abonniert hat, doch angemessen verärgert. Selbst schuld, werden Sie sagen: Was liest der auch Frauenzeitschriften? Aber Mann möchte Frau eben gelegentlich damit überraschen, dass er weiß, was sie bewegt.

Ohne, dass sie es ihm vorher sagen muss. Wie’s ja meistens ist. Behauptet sie jedenfalls. In nämlichen Magazin steht nun ein Bericht über eine „Verhaltens-Coachin“.

Natürlich bin ich längst darüber hinweg, mich über vorgebliches hippes Pseudo-Englisch in der deutschen Sprache aufzuregen. Auch den Sprechschluckauf von Radiomoderatorinnen und Moderatoren beim Durchgendern ignoriere ich mittlerweile tapfer, kann sogar den Gendersternchen-Regen in Pressemitteilungen übersehen. Doch einen englischen Begriff mittels deutscher Endung zur Geschlechtergerechtigkeit zu zwingen, da könnte Mann glatt zum Friedrich Merz werden – und ein Verbot der geschlechterneutralen Sprache fordern. Meine Frau hat übrigens hat den Text dann auch noch gelesen und sagte: „Verhalten-Coachin – was ist das denn für ein Schwachsinn?“ Genau, hätte ich auch gesagt, wenn Mann sich das getraut hätte.