Zweite Ausgabe von „Erlesen“ ab dem 30. März

Zweite Ausgabe von „Erlesen“ ab dem 30. März : Literarische Bonbons im Saarland

Am 30. März beginnt die zweite Ausgabe von „Erlesen! Literaturtage im Saarland“. Was bieten die knapp 40 Veranstaltungen?

Ohne dass es überhaupt losgegangen ist, kann man es durchaus bereits jetzt als Erfolg verbuchen, dass es diese zweite Ausgabe von „Erlesen! Literaturtage im Saarland“ (30. März bis 13. April) überhaupt geben wird. Hat die Literatur hierzulande, wo man selbst bei namhaften Zugpferden nie sicher sein kann, dass sie bei Lesungen den Saal füllen, doch wahrlich nicht unbedingt eine große Lobby. Umso verdienstvoller also, dass die Organisatoren – ermutigt von der Resonanz im Vorjahr, als immerhin 2000 Interessierte bei den 28 Programmpunkten der Erstausgabe von „Erlesen!“ gezählt wurden, – nun in die zweite Runde gehen.

Die wird mit „gut 40 Veranstaltungen“, wie es gestern bei der Programmvorstellung im Saarbrücker KuBa hieß, zwar noch um einiges umfänglicher sein als die 2018er Ausgabe. Was allerdings – Liebhaber des Schöngeistigen dürften dies bedauern – nicht bedeutet, dass mit Blick auf die ausgewählten Autoren diesmal erkennbar mehr Wagemut auszumachen wäre. Und doch: Ehre, wem Ehre gebührt. Dass engagierte Buchhändler überhaupt ein solches Programm auf die Beine stellen, verdient unbedingte Anerkennung. Einer der Gründe, weshalb es sich der Kulturminister denn auch nicht nehmen ließ, gestern persönlich zu erscheinen. Ulrich Commerçon (SPD) rühmte die Unternehmung, „wobei man im Saarland ja gerne schon bei der zweiten Ausgabe eines Festivals von dessen Tradition spricht“.

Chris Kraus, am 5. April in der Orangerie in Blieskastel. Foto: Diogenes/Marice Haas

Zum „Orga-Team“ zählen neben Stefanie Brich, beim Börsenverein des deutschen Buchhandels als umtriebige Geschäftsführerin für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig, die Buchhändler(innen) Brigitte Gode (Gollenstein, Blieskastel), Jasmin Hahn (Kirkel-Limbach) Anke Birk (Bücher König, Neunkirchen), Beatrice Schmitt (Bücherhütte Wadern), Kurt Hoffmann (Raueiser, Saarbrücken)   sowie die Verleger Stefan Wirtz (Conte) und Andreas Schorr (Röhrig) nebst Ex-SR-Jazzredakteur Peter Kleiß (Lesereihe „Haste Worte“). Sie machten gestern unisono klar, dass sie einen langen Atem haben werden, um das Lesefestival zu etablieren. Der für die zweite Ausgabe bereits „wesentlich besser laufende Vorverkauf“ (Stefan Wirtz) sowie die wachsende Anzahl an beteiligten Buchhandlungen, Bibliotheken und Kooperationspartnern (neben der Union Stiftung etwa die Kulturämter in Saarlouis und Illingen) geben ihnen recht. Das gestern beschworene „basisdemokratische Prinzip“, jeder der 15 (!)  beteiligten Buchhandlungen die Wahl ihrer Autoren freizustellen, erklärt die zustandegekommene bunte, vergleichsweise breitentaugliche Mischung. „Die Buchhändler vor Ort kennen ihr Publikum  und wissen nun mal am besten, wer bei ihnen geht“, umriss Stefanie Brich denn auch das Auswahlverfahren.

Erfreulich viele kleinere Buchläden sind dabei, gleich vier Bibliotheken plus drei Regionalverlage (Conte, der Röhrig Universitätsverlag sowie die Edition Schaumberg). Neben den offenbar unvermeidlichen Krimi-Lesungen (mit Arno Strobel, Michael Tsokos, Ellen Sandberg) sowie einer gehörigen Portion Unterhaltungsliteratur bietet man einige Regionalia (von Gunter Altenkirch und Stephan Friedrich über Stefan Mörsdorf bis zu Frank Meyer und Alphonse Walter) und – glücklichwerweise – immerhin sechs, sieben ins ernste Literaturfach einzusortierende Leseabende. Anreisen werden Maria Cecilia Barbetta, die mit ihrem Roman „Nachtleuchten“ im Vorjahr auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand (2. April, Rathaussaal Illingen) sowie Michael Kumpfmüller („Tage mit Ora“, 4. April, Theater am Ring Saarlouis), Chris Kraus („Sommerfrauen, Winterfrauen“, 5. April, Orangerie Blieskastel) und Karen Duve mit ihrem Annette-von-Droste-Hülshoff-Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ (11. April, Stummsche Reithalle Neunkirchen). Hinzu kommen, als vielleicht interessanteste Autoren, zum einen Wolfgang Hegewald, der mit seinem „Lexikon des Lebens“ anreisen wird (11. April, Saarbrücker Buchhandlung St. Johann) – einem Potpourri an „Reminiszenzen, Reizwörtern und Reflexionen“, als das seine Schriftstellerkollegin Petra Morsbach Hegewalds kurioses Intellektuellen-Alphabet von A bis Z bezeichnet hat. Zum anderen wird der österreichische Autor Reinhard Kaiser-Mühlecker, ein Meister im Aufzeichnen provinzieller Abgründe, seinen neuen Roman „Enteignung“  vorstellen (4. April, Saarbrücker Buchhandlung Raueiser).

Dass dieser Roman eine der äußerst raren Literatur-Neuerscheinungen im Programm der Literaturtage ist, mag zunächst das Verwunderlichste dieser „Erlesen!“-Unternehmung sein. Entstammen doch fast alle Bücher, die ausgewählt wurden, der Vorjahresproduktion. Was nicht von Nachteil sein muss. Zumal der Literaturbetrieb mittlerweile derart aufgeheizt ist, dass Bücher (Bestseller natürlich ausgenommen) oft schon binnen Monatsfrist wieder aus dem Bewusstsein (und Sortiment) verschwinden. Dennoch: Etwas mehr Aktualität hätte dieses sogenannte  „Lesefestival“ durchaus vertragen.  Noch ehe Ausgabe zwei überhaupt losgeht, gelobte man insoweit Besserung. „Wir werden mit den Jahren schon noch aktueller werden“, ließ Conte-Verleger Wirtz uns gestern wissen.

Eröffnen wird die Literaturtage Anne Gesthuysen mit ihrem neuen Bestseller „Mädelsabend“ (30. März, Theater am Ring, Saarlouis), gerahmt von der Chansonband „Die Schoenen“. Ein besonderes Bonbon verspricht der vom Saarbrücker Schriftsteller und Poetry Slammer Mark Heydrich im KuBa organisierte Poetry Slam zu werden (6. April). Ferner wird zum Finale am 13. April der seit ein paar Jahren auf der Leipziger Buchmesse mit einiger Resonanz laufende „saarländische Abend“ mit Regionalautoren in der Heimat platziert – auf dem Theaterschiff Helena. Wie meinte der Minister gestern? „Man kann ja einen saarländischen Abend auch im Saarland feiern.“ Gutes Gelingen!

Informationen und alle Termine:
www.erlesen-saarland.de

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