Wo wir „verdächtige Subjekte“ werden

Wo wir „verdächtige Subjekte“ werden

Die Art Basel zeigt bis Sonntag neben hochkarätiger Malerei, Skulptur, Videokunst und Installationen verstärkt auch Arbeiten, die zu den politisch-gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit Position beziehen.

Terror in den USA und Europa; der bevorstehende Brexit; die US-Präsidentschaftswahl; das umstrittene Kulturgutschutzgesetz: All das tangiert auch den lange von einer Erfolgswelle zur nächsten surfenden Kunstmarkt. Umso größer sind die Herausforderungen - auch an die Art Basel. 286 internationale Galerien aus 33 Ländern präsentieren ab heute auf dem Basler Messegelände Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Natürlich kann man über diese Messe flanieren, um in Schönheit zu schwelgen. Doch bietet sich auch eine andere Lesart an. Diese Art Basel ist ungleich politischer als früher.

Auf dem Messeplatz fällt die begehbare Installation "Zome Alloy" des Kaliforniers Oscar Tuazon ins Auge. Aus Holz- und Aluminiumbauteilen hat er eine Art modulare, mit Sandsäcken bewehrte Schutzhütte gebaut, die auf utopischen Vorbildern der 60er basiert, aber auch an Flüchtlingsunterkünfte erinnert. Für Gesprächsstoff sorgt der "Zoom Pavilion", den der Mexikaner Rafael Lozano-Hemmer mit dem Polen Krzystof Wodiczko in der großen Art Unlimited-Halle präsentiert. Wer sie betritt, findet sich als Großprojektion auf einer Wand wieder. Die Künstler setzen hochsensible Überwachungskameras ein, die uns als "verdächtige Subjekte" der Beobachtung aussetzen. In der auf historische Positionen spezialisierten Feature Section zeigt die Berliner Galerie Wentrup die 1992 entstandene Arbeit "Sammelstelle" des Münchner Bildhauers Olaf Metzel. Man gelangt durch eine metallene Drehtür in einen mit Aluminiumprofilen ausgekleideten Raum mit gleißendem Neonlicht. Ursprünglich als Reaktion auf aus dem kriegszerstörten Jugoslawien ankommende Flüchtlinge entwickelt, gewinnt diese dystopische Arbeit angesichts der aktuellen Debatte um Flucht und Abschiebung neue Brisanz. Die 47. Art Basel bietet also nicht nur aus aller Welt angereisten Großsammlern und Kunstinvestoren Hochpreisiges. Sie bietet auch Stoff zum Reflektieren.