Windmaschinen für bartlose Frauen

Wien · Finnland und die Niederlande raus, Serbien und Griechenland weiter: Während die Gewinner des ersten Halbfinales des Eurovision Song Contests bereits feststehen, darf Deutschland erst heute abend abstimmen. Bei den Proben für die Show in Wien konnte sich Ann Sophie schon einmal warm singen.

Hunderte von weißen Bällen, die an der Decke der Wiener Stadthalle hängen, tanzen im Takt der Musik. Die Bühne in Form eines riesigen Auges aus LED-Stäben funkelt. Von einem klassischen Orchester begleitet, stimmt Conchita Wurst ihren Titel "Rise like a Phoenix" an, mit dem sie den Eurovision Song Contest (ESC) in ihre Heimat holte. Bereits bei der neunminütigen Eröffnung mit der Vorjahres-Siegerin als "Extra-Wurst" bewies Österreich am Dienstagabend, dass auch ein kleines Land showmäßig ganz groß auffahren kann.

Die TV-Zuschauer und Jurys stimmten bei der Wahl der zehn Länder, die sich im ersten Halbfinale für das Finale am Samstag qualifizierten, jedoch vor allem für die Teilnehmer, die ruhigere Töne anschlugen. Auch beim Publikum in der Halle gehörte Serbien zu den Favoriten. Die stimmgewaltige Bojana Stamenov kam ebenso weiter wie das Duo Elina Born und Stig Rästa, das für Estland ins Rennen ging und die Russin Polina Gagarina.

Während Ungarn erfolgreich auf einen modernen "Ein bisschen Frieden"-Antikriegs-Song setzt, gab sich Georgien kämpferisch mit dem düsteren Titel "Warrior" (Krieger). Auch mit Belgien, Rumänien, Armenien, Albanien und Griechenland gibt es Samstag ein Wiedersehen. Überraschend schied dagegen Finnland, das von Punkmusikern mit Behinderungen vertreten wurde, aus. Auch die Niederlande, die 2014 Vize-Sieger waren, und Dänemark schafften es nicht ins Finale.

Während die Teilnehmer des ersten Halbfinales mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt waren, präsentierte Ann Sophie ihren Song in der deutschen Botschaft in Wien . Auch wenn die Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten ansonsten vorbildhaft sei, gebe es bei der ESC-Punktevergabe "noch Luft nach oben", so der Kulturminister Josef Ostermayer. Deutschland verlieh Österreich bisher 30 Mal null Punkte, umgekehrt waren es 21 Mal. Zumindest bei dem Empfang zeigten Ann Sophie und The Makemakes, die Teilnehmer des Alpenstaates, Solidarität und und standen gemeinsam auf der Bühne. Nach dem ersten Halbfinale ging es am Mittwoch in der Halle mit dem ersten Durchlauf für die zweite Vorrunde (heute live ab 21 Uhr auf Phoenix, Eins Festival und Eins Plus) weiter. "Windmaschinen an", forderten die Moderatorinnen. Denn während die früher stark verbreiteten Pyroeffekte stark zurückgegangen sind, waren unter den 17 Kandidaten auffallend viele, die sich eine frische Brise durch die Kleider wehen ließen. Bei einem der zahlreichen Duette singt übrigens die in Deutschland bekannte Die-Happy-Frontfrau Marta Jandová für die Tschechische Republik. Auch ESC-Urgestein Ralph Siegel , dessen Lied 1982 der Saar-Sängerin Nicole zum Sieg verholfen hat, kann's nicht lassen. Er schrieb dieses Mal für Malta eine typische Grand-Prix-Ballade. Während solche Titel, die oft sanft starten und sich dann dramatisch aufbäumen, einer der großen Trends des zweiten Halbfinales bilden, setzen viele andere Länder auf Elektro-Pop- und Dance-Songs.

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