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Wie man Containerbauten wohnlich macht

Wie man Containerbauten wohnlich macht

Ein Flüchtlingsbauten-Atlas gibt einen Überblick über neu errichtete Sammelunterkünfte in Deutschland.

Auch gut 18 Monate nach der ersten großen Einwanderungswelle leben weiterhin in sechsstelliger Anzahl Flüchtlinge in deutschen Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften. Da die vorhandenen für die mehr als eine Million Gekommenen nicht ausreichten, wurden 2015/2016 zuhauf Leerstände umgenutzt oder aber neue Unterkünfte gebaut - nicht selten waren dies Containersiedlungen. Einen deutschlandweiten Überblick über die mehr oder minder gelungeneren dieser Flüchtlingsbauten gibt nun unter dem Titel "Making Heimat" ein vom Deutschen Architekturmuseum initiierter Atlas. 57 Bauprojekte werden in dem Reader kurz in Text und Bild umrissen; sieben als vorbildlich geltende Flüchtlingsbauten aus deutschen Landen stellt der Band (ihre bauliche Ausführung einschließend) detaillierter vor.

In Ostfildern unweit von Stuttgart etwa fanden elf Flüchtlinge inmitten eines bürgerlichen Wohngebietes in einem von drei Neubauten Aufnahme (in den zwei übrigen leben bis dato Obdachlose) - in der "berechtigten Hoffnung, dass damit einer Stigmatisierung und Ausgrenzung entgegengewirkt" werden kann. Mit einer für 162 Personen in 28 Wohneinheiten angelegten Gemeinschaftsunterkunft in Reutlingen hat für die Autoren des Bandes ein zweites baden-württembergisches Flüchtlingsdomizil Vorbildcharakter. Gerühmt wird neben der ästhethischen Qualität des Bau-Ensembles dessen mögliche, problemlose Umnutzung als "normales, bezahlbares Wohnhaus".

Dass auch Containerlösungen ansprechende Wohnqualität haben können, zeigt eine Bremer Gemeinschaftsunterkunft für 162 Flüchtlinge. Die Metallcontainermodule sind durch überdachte Laubengänge verbunden und gruppieren sich in drei Baugruppen jeweils um einen Hof - das Bremer Büro Feldschnieders + Kister hat sein viel gelobtes Konzept des modularen Hofhauses inzwischen in Form einer "beständigen Holzkonstruktion" weiterentwickelt. Als Beispiel für eine "just in time" in Tagesfrist errichtbare Modullösung taugt eine in Hannover vom örtlichen Büro Mosaik realisierte Unterkunft in Brettsperrholz-Fassadenelementen. Die Autoren betonen "die Nachnutzung solcher Grundrisstypologien" für Studentenbuden. Das Saarland ist in dem nach Bundesländern geordneten Atlas mit einem HBK-Projekt in der Völklinger Handwerkergasse vertreten: Dort entstand aus Europaletten (Gesamtkosten von 2500 Euro) als "Selbstbauprojekt" eine improvisierte Bleibe für zwei Personen (aber ohne Wasser- und Stromanschluss).

Making Heimat. Germany, Arrival Country. Hrsg. von Peter Cachola Schmal/Anna Scheuermann/Oliver Elser. Verlag Hatje Cantz, 303 Seiten, 9,80 €. Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt (Schaumainkai 43) bis 10. 9. (Di, Do-So: 11-18 Uhr, Mi: 11-20 Uhr).