Wider die Kindsköpfe

Jürgen Albers darf als Solitär der saarländischen Kleinkunst gelten. Als gewissermaßen ewiger Redakteur und Moderator des SR-Dauerläufers „Fragen an den Autor“ war ihm nie ein Buchthema zu groß oder gar zu exotisch. Als Kabarettist ist der Noch-64-Jährige aber seit über 40 Jahren immer auch bei dem, was die Leute hier und nur hier beschäftigt. Darum singt und schwätzt er auch gern in Mundart. Dass er diesen Spagat schafft, wen wundert's? War Albers doch auch mal, höchst gelenkig, Deutscher Karatemeister. SZ-Redakteur Oliver Schwambach sprach mit ihm über die Lust am Alter und die Last mit der Comedy.

Ihr neues Programm heißt im Untertitel "Kabarett für Erwachsene". Was darf man da erwarten: erotische Heiterkeiten - oder muss man als Zuhörer dafür moralisch besonders gefestigt sein?

Albers: Ich weiß, worauf Sie anspielen, aber darum geht es ganz und gar nicht. Mir geht es darum, dass das Kabarett, die Unterhaltung und gerade die Comedy auf einem derart kindlichen Niveau angekommen sind, dass es nicht schaden kann, wenn man Kabarett anbietet, das erwachsene Menschen anspricht.

Hat denn auch bei denen, die sich selbst noch Kabarettisten nennen, die Verflachung eingesetzt?

Albers: Es gibt welche, die sind ganz und gar nicht flach. Volker Pispers ist so ein Beispiel, auch einige derer, die beispielsweise in "Neues aus der Anstalt" (ZDF) auftreten. Aber der Begriff Kabarett wurde durch die Comedy mittlerweile völlig aufgeweicht. Und generell, schaut man sich die Fernseh-Unterhaltung an, hat man das Gefühl, dass sich viele da wie Kinder aufführen.

Vielleicht auch eine Art Gegenreaktion auf unsere ernsten Zeiten, in denen einem angesichts permanenter Terrorbedrohung und Flüchtlingskrise das Lachen im Halse stecken bleiben könnte. Ist es überhaupt eine gute Zeit für das Kabarett?

Albers: Es ist eine gute Zeit. Aber die Zeiten fürs Kabarett sind fast immer gut. Einerseits bin ich auch völlig einverstanden, wenn Leute sagen, wir wollen unterhalten werden. Ich habe auch nie ein Programm gemacht, dass keine unterhaltenden Elemente enthielt. Aber Lachen sollte durchaus auch Inhalt haben. In meinem neuen Programm habe ich etwa auch eine Nummer, in der ich mich über Fundamentalisten aller Religionen lustig mache. Es ist doch wirklich eine Dummheit zu sagen, wir sollen nach Hunderten und Tausenden von Jahren Texte so wörtlich verstehen wie damals. Darüber kann man sich wunderbar lustig machen.

Ergeht es Ihnen da nicht wie allen Kabarettisten und Satirikern, dass im Publikum ohnehin nur jene sitzen, die mit Ihnen sowieso einer Meinung sind?

Albers: Bei mir nicht. Weil ich nie so festgelegt war; ich habe nie Kabarett gemacht für eine Partei. Und dadurch, dass ich mich immer mit Mundart beschäftigt habe, habe ich immer sehr unterschiedliche Leute angesprochen. Ich habe beispielsweise eine Nummer, da klatschen die Feministinnen nie. Da bin ich auch stolz darauf. Und in einer anderen Nummer beschäftigte ich mich mit männlicher Dummheit.

Das klingt nach strenger Ausgewogenheit im Angriff; aber ist nicht gerade die Ausgewogenheit Gift für einen Satiriker?

Albers: Aber ich attackiere ja alle…

Sie sind dann also nicht ausgewogen im Angriff…

Albers: … so in etwa

Ihr Programm jetzt, "Ey Alder!", wurde angeregt durch einen der Veranstalter für ihre Abende, der Senioren-Vereinigung "EUROP'age". Was ist denn so inspirierend am Alter?

Albers: Es fängt damit an, dass man nur über Sachen schreiben sollte, von denen man Ahnung hat. Nächstes Jahr gehe ich in Rente; Und das ist das, womit ich derzeit intensiv zu tun habe. Ich nehme Abschied von meinem Hauptberuf als Redakteur und Moderator beim Saarländischen Rundfunk. Dazu kommt, dass die älteren Leute, meiner Meinung nach, oft eine schlechtere Lobby haben. Ich denke, man kann sich ja auch mal über die jüngeren Leute lustig machen. Wie die über die Straße gehen, den Kopf immer nach unten, auf einen kleinen Bildschirm starrend...

Im März 2017 hören Sie am SR-Mikrofon auf. Was passiert dann mit "Fragen an den Autor", der Sendung, die Sie 30 Jahre als Redakteur und 15 Jahre als Moderator verantwortet haben?

Albers: Meine Wellenchefin will die Sendung weiterführen, und ich weiß, dass es Leute gibt, die es tun können und wollen.

Etwas Vergleichbares gibt es im Radio nicht mehr, fast ein Dinosaurier…

Albers: Aber solche Dinosaurier nennt man ja heute Kult, und dann finden es alle toll.

Termine: 29. September, 18 Uhr, Saarbrücker Schlosskeller. 11. Oktober, 19 Uhr, Merziger Stadtbücherei.