Saarlouis: Weltklasse auf sechs Saiten

Saarlouis : Weltklasse auf sechs Saiten

Ausnahme-Gitarrist Al Di Meola gastierte im Theater am Ring in Saarlouis.

Man staunt im Theater am Ring in Saarlouis: Der 13 Jahre alte Frano Zivko im Vorprogramm von Al Di Meola spielt technisch versiert, kombiniert Fingerpicking mit Flamenco, flotten Läufen, Flageolett‑Tönen, hat fraglos Qualitäten als Alleinunterhalter und bietet bekanntes Repertoire. Das Publikum ist begeistert. Und doch hätte es gelegentlich der Nachstimmung bedurft und einer sensibleren Programmauswahl, denn das junge Gitarren-Talent wollte altersmäßig zuweilen nicht recht zu den Texten über Sex und Drogen beispielsweise von Bowie oder Hendrix passen.

Der Weltklasse‑Gitarrist Al Di Meola muss nichts mehr beweisen, er ruht in sich. Ja, er kann seine berühmten virtuosen Läufe immer noch, setzt sie aber sparsamer ein und beschränkt sich im Konzert auf eine Akustikgitarre. Im Trio mit dem sardischen Gitarristen Paolo „Peo“ Alfonsi und Fausto Beccalossi am Akkordeon nimmt er sich vom ersten Stück „Misterio“ an Zeit für die Entfaltung von Harmonik, Melodie und Klangschönheit. Die drei langjährigen musikalischen Weggefährten sind absolut gleichberechtigt, spielen abwechselnd solo und bringen die Musik regelrecht zum Erblühen.

Neben Werken des neuen Albums werden auch Kompositionen von Astor Piazzolla und Di Meolas Beatles‑Tribut „All your Life“ präsentiert, also ein Querschnitt durch das spätere Œuvre des Maestros. Bei den Zugaben gibt es dann doch noch ein wenig „Friday Night in San Francisco“ und das Publikum bedankt sich mit stehenden Ovationen.

Misslich für alle Musiker waren technische Kalamitäten und die Unruhe im Saal am Konzertende, da einige Zuhörer nicht bis 22:40 Uhr durch­hielten. Al Di Meola aber nahm sich nach dem Konzert viel Zeit für seine Fans und gab geduldig Autogramme. Ein wunderbarer Abend. Danke Mr. Di Meola, beeehren Sie uns bald wieder!

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