„The Sound of Disney“ im Frankfurter Filmmuseum Die große Kunst des „Schubidu“

Frankfurt · Auch die Klangwelten der Walt-Disney-Filme haben Maßstäbe für das Animations-Kino gesetzt. Im Filmmuseum kann man sich anhören (und anschauen), wie Walt Disney und seine vielen Tüftler das gemacht haben.

 „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“ – eine Szene aus dem unsterblichen Klassiker „Das Dschungelbuch“ von 1967. Unser Foto zeigt keine fertige Szene, sondern eine „Cel“: eine von unzähligen Folien mit Zeichnungen, die für den Film einzeln fotografiert werden und, hintereinander montiert, eine Illusion der Bewegung erzeugen.

„Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“ – eine Szene aus dem unsterblichen Klassiker „Das Dschungelbuch“ von 1967. Unser Foto zeigt keine fertige Szene, sondern eine „Cel“: eine von unzähligen Folien mit Zeichnungen, die für den Film einzeln fotografiert werden und, hintereinander montiert, eine Illusion der Bewegung erzeugen.

Foto: Disney Enterprises Inc. / DFF

„Ich bin der König im Affenstaat, der größte Klettermax“, singt Affe King Louis im „Dschungelbuch“ und hangelt sich tanzend von Ast zu Ast. Ein Ohrwurm – Text und Melodie gehen sofort ins Ohr. Doch King Louis singt nicht nur: Er und eine Affen-Crew als Begleitchor untermalen die Melodie mit lautmalerischen Wortschöpfungen wie „Oh, dubidu“ sowie „Schubidu“. Gesprochenes, Gesang und Geräusche greifen im „Dschungelbuch“ ineinander und ergänzen sich kongenial. Wie das funktioniert, ist jetzt Thema der Ausstellung „The Sound of Disney“ im Filmmuseum Frankfurt. Mit einer Klanginstallation und Filmausschnitten bietet die Schau ein interaktives Erlebnis und zeigt die Bedeutung von Stimmen, Musik und Geräuschen in den legendären Disneys-Animationsfilmen.

Im Zentrum steht die Klangwelt klassischer Zeichentrickfilme aus der Zeit von 1928 bis 1967. Darunter große Produktionen wie „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, „Pinocchio“, „Aschenputtel“ und „Susi und Strolch“, aber auch die Reihe „Silly Symphonies“. Als Marke und Experimentierfeld für Filmproduzent Walt Disney (1901-1966) darf auch dessen bekannteste Figur nicht fehlen: Micky Maus. Nach zwei Stummfilmen mit der Figur brachte Disney mit „Steamboat Willie“ 1928 einen vertonten Zeichentrickfilm mit der menschenähnlichen Maus heraus, der als erster seiner Art ein großes Publikum erreichte.

Bis in die 1920er Jahre wurden Zeichentrickfilme ohne mitproduzierte Tonspur gezeigt. Dennoch ist die Bezeichnung „Stummfilm“ irreführend, denn bei den Aufführungen spielte in der Regel ein Orchester, Klavier oder Grammophon Musik. Wie einige andere versuchte Disney sich an Tonanimationen mit integriertem Sound. Das technische Verfahren sei Max Fleischer noch vor Disney gelungen, betont Kuratorin Daria Berten. Cartoonist und Trickfilmproduzent Fleischer hat deshalb auch einen kleinen Auftritt in der Schau und erklärt in einem Video, wie er Ton und Film auf nur einem Träger aufnehmen konnte.

Walt Disney gelang dann eine „einzigartige Verschmelzung von Sound und Filmbild“, mit der er Maßstäbe setzte, wie die Ausstellungsmacher betonen. Der Klang in Disney-Filmen wirke als „Motor und Seele des Animationsfilms“.

Am Gesamtwerk sei in den Disney-Studios damals akribisch gearbeitet worden: Geräuschkulissen für Animationsfilme hätten zu der Zeit komplett künstlich erzeugt werden müssen, sagt Berten. Ton-Effekte wie Quietschen, Regen oder das Geräusch von Hüpfen wurden nicht in der Natur aufgenommen, sondern im Studio erzeugt. Die Schau zeigt etwa, wie Jimmy MacDonald, der zunächst mit einer Band in den Studios Musik für die Cartoons aufnahm, eigene „Instrumente“ für gezeichnete Geräusche entwickelte: Er füllte etwa eine Regentonne mit Nägeln und Erbsen, um den Klang von Regen möglichst originalgetreu zu imitieren. Während heute digital unzählige Geräusche per Mausklick zur Verfügung stehen, habe MacDonald eine „beispiellose Sound-Datenbank“ aufgebaut.

Außer Klassikern und bekannten Songs können Besucher anhand von 65 Exponaten aus dem Münchner Stadtmuseum, 50 Objekten der eigenen Filmmuseums-Sammlung und weiteren Leihgaben aus den USA auch wenig bekannte Details über die Disney-Welt entdecken: So habe etwa Walt Disney selbst als Sprecher gearbeitet und teilweise die Texte von Micky Maus eingesprochen.

Zeichnungen lassen zudem erahnen, wie minutiös die Vertonungen geplant wurden: Ein Komponist schrieb auf Micky-Maus-Cartoons genaue Anweisungen, auf welchen Schlag im Takt der gezeichnete Fuß beim Sprung auf dem Boden ankommen muss, damit Ton und Bild zusammenpassen. An vier interaktiven Stationen können Besucher mit Stimme, Geräuschen, Musik und Synchronisation das selbst ausprobieren.

 Auch um den tränentreibenden Klassiker „Bambi“ von 1942 geht es in der Ausstellung.

Auch um den tränentreibenden Klassiker „Bambi“ von 1942 geht es in der Ausstellung.

Foto: Münchner Stadtmuseum/Gunther Adler
 Filmfans vor einem Plakat des Trickfilmklassikers „Peter Pan“ aus dem Jahr 1953.

Filmfans vor einem Plakat des Trickfilmklassikers „Peter Pan“ aus dem Jahr 1953.

Foto: DFF/UWE DETTMAR

„The Sound of Disney“ läuft bis zum 10. Januar im Deutschen Filmmuseum, Schaumainkai 41, Frankfurt. Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr.
Infos: www.dff.film

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