Von übertriebener Bedächtigkeit

Saarbrücken · Wieso die SR-Matinee mit dem Orchestre National de Lorraine durchwachsen ausfiel.

Ein publikumswirksames Programm hatte das "Orchestre National de Lorraine" am Sonntagmorgen zur 5. SR-Matinee in der Congresshalle mitgebracht: "Tschaikowsky pur" mit dem b-moll-Klavierkonzert und der 5. Sinfonie. In dieser Kombination ist das häufiger in Konzertsälen zu hören. Der französische Altmeister Jean-Philippe Collard ließ es bedächtig angehen, denn "nicht sehr schnell und sehr majestätisch" soll der Anfang des Klavierkonzertes sein. Auch wenn diese Bedächtigkeit im Verlauf durchaus Spannungsbögen hin zu Schnellerem zuließe: Irgendwie zerfielen die 45 Minuten in Einzelepisoden, auch wenn sich Jacques Mercier am Pult bemühte, das rustikal aufspielende Orchester an den sehr liberalen Interpretationsstil Collards anzupassen. Ganz ohne Fehlgriffe soll das Konzert ja nicht zu spielen sein. Das wurde bestätigt. Vermisste man mehr Poesie, Eleganz und schwungvollen Zusammenhalt, so entschädigte die Zugabe: die Klavierminiatur "Juni" aus den "Jahreszeiten".

Ein stringenterer Atem wehte dann in der 5. Sinfonie. Mercier gelang beachtliche, dramaturgisch aufgebaute Spannung, gepaart mit dynamischen Abstufungen und Steigerungen. Violinen und Celli sangen poetisch die schwermütigen Melodien, saftig konterten Blech und Pauke, rhythmische Strukturen wurden markiert und die vielfachen Fortissimo-Tuttis füllig über die Rampe gebracht. Leid tat einem der erste Hornist mit seinem verunglückten Andante-Solo, und letztlich nervte dann doch das Fortissimo-Dauerfeuer des Finales, in dem es schon ein paar Differenzierungsmöglichkeiten mehr gegeben hätte.

Dass die Lautsprecheranlage das gesamte Konzert mit Brummen in falscher "Tonart" begleitete, sollte dem Veranstalter zu denken geben. Unverdrossen und prompt gab es noch eine Zugabe: die populäre "Polonaise" aus Tschaikowskys "Eugen Onegin".