Vive la France!

Kapellmeister Christopher Ward legte sich beim Dirigieren keine Zügel an: Das Neujahrskonzert im Staatstheater bot jedem Klassik-Geschmack etwas. Nur Dukas' „Zauberlehrling“ stand auf etwas wackeligen Beinen.

Das Saarländische Staatstheater hat das Neue Jahr mit Orchestermusik begrüßt. "Vive la France" war das Motto des Neujahrskonzertes mit dem Staatsorchester am frühen Abend des 1. Januars. Französischer Esprit, das "savoir vivre" auf den Boulevards von Paris, gehobene Unterhaltung und leichte Klassik waren angesagt. Der Fairness halber sei erwähnt, dass sich rechts vorne im Parkett, auf Tuchfühlung mit den Kontrabässen, das akustische Geschehen kaum objektiv beurteilen lässt. So mag denn eine gewisse dynamische Unausgewogenheit, wenn es Blech und Schlagzeug besonders gut meinten und dann die Violinen etwas kraftlos wirkten, auf diesen Umstand zurückzuführen sein. Der umsichtig und lebendig führende und einfallsreich moderierende Kapellmeister Christopher Ward legte da keine Zügel an.

Mitten hinein ins fröhliche Pariser Leben ging es zu Beginn mit Ausschnitten aus "Gaité Parisienne" von Jacques Offenbach . Judith Braun betörte als Dalila verführerisch mit warmem, nuancenreichen Mezzosopran ihren Samson, das sanft erregte Bacchanal aus Camille Saint-Saëns Oper "Samson et Dalila" wurde zum instrumentalen Kabinettstück. Konzertmeister Wolfgang Mertes' makelloses Violinspiel schmeichelte sich mit Jules Massenets "Méditation" in die Herzen der Zuhörer, bevor mit Francis Poulencs Suite "Les Biches" der Reigen noch einmal rasante Fahrt aufnahm.

Etwas mager dagegen geriet der "Zauberlehrling" von Paul Dukas , er schien auf leicht wackligen Beinen zu stehen, die "wallenden" Wasserströme wollten sich nicht so recht "zum Bade ergießen". Die von Faust verlassene Margarete (Hector Berlioz : "La damnation de Faust") entwickelte sich in lyrischer Stimmung zum retardierenden Moment, einfühlsam gesungen von Judith Braun. Charles Gounods "Faust"-Ballettmusik, selten zu hören, weil ein wenig langatmig, wurde munter abgelöst von den unverzichtbaren Strauß-Brüdern Johann und Josef mit lustig aufgeputzten Polkas. Unermüdlich erklatschte sich das Publikum die vorbereiteten Zugaben aus der Offenbach-Sphäre. Insgesamt war es ein heiterer Start in ein neues Musikjahr, der fast jedem Geschmack etwas geboten hat.