Verdienter Literaturnobelpreis für Handke undTokarczuk

Kommentar zum Literaturnobelpreis : Der alte Glanz ist noch nicht zurück

Mal boshaft gefragt: Hat wer den Literaturnobelpreis voriges Jahr vermisst? Der in Online-Zeiten arg gebeutelte Buchhandel sicher. War dieses hochdotierte Lob aus Stockholm doch über Jahre eine verlässlich verkaufsfördernde Maßnahme.

Und ein Verlag, der sich nach der Bekanntgabe über einen Preisträger im Programm freuen durfte, konnte getrost nachdrucken. Doch es war nicht allein dieser Skandalmix aus sexueller Belästigung und Korruption in der Akademie, der dem Preis schadete. Kuriose Entscheidungen (Bob Dylan), offenkundige Proporzerwägungen (jetzt ist mal China dran), ließen schon früher zweifeln, ob da wirklich einem Schriftsteller die Krone aufgesetzt wurde – oder nur eitles Medientheater läuft. Mit Olga Tokarczuk und Peter Handke hat man nun fraglose würdige Preisträger gefunden, selbst wenn Handke der Makel seines proserbischen Engagements anhaftet. Zwei gute Entscheidungen aber machen noch keinen Sommer für die Akademie. Es wird noch Jahre brauchen, bis der Literaturnobelpreis wieder im alten Glanz strahlt.

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