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Theatrium Dresden gastiert in Saarbrücken mit Faust als Marionettentheater.

Kleines Theater im Saarbrücker Rathaus : Auch Hans Wurst zieht hier die Strippen

Das Kleine Theater im Saarbrücker Rathaus eröffnete die Herbstsaison am Samstag mit dem Theatrium Dresden und seiner Adaption von „Dr. Johannes Faust – Ein altes deutsches Marionettenspiel“.

Die Gretchenträgödie fällt komplett aus. Auch wenn Dr. Johannes Faustus in der frisch vermählten Herzogin von Parma durchaus seine Helena findet und ausgerechnet Mephisto ihn vor einem Giftanschlag des eifersüchtigen Ehegatten bewahrt. Dennoch geht die Geschichte, anders als in Goethes Fassung, für den berüchtigten deutschen Magier und Schwarzkünstler nicht gut aus: Der aus reiner Verzweiflung vierfach promovierte Universalgelehrte schließt zur Stillung seines unersättlichen Wissensdursts einen Pakt mit dem Teufel und verliert seine Seele tatsächlich an die Hölle. Am Samstag gastierte zur Eröffnung der Herbstsaison das Theatrium Dresden im Kleinen Theater im Rathaus und präsentierte seine Adaption von „Dr. Johannes Faust – Ein altes deutsches Marionettenspiel“.

Das Figurentheater gilt als älteste Überlieferungsform der ins 16. Jahrhundert datierten Sage um den historisch belegten Wunderheiler, Alchemisten, Magier, Astrologen, Philosophen und Wahrsager. Auch Goethe, so wusste Thomas Altpeter, Chef des Kleinen Theaters, zu berichten, soll durch ein Puppentheater mit dem Stoff vertraut geworden sein. Detlef Heinichen, Absolvent der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Urgestein der deutschen Marionettenszene und Gründer des Theatriums, stützt sich bei seiner Adaption auf die fragmentarische Opernfassung Hanns Eislers. Dieser benutzte die Faustfigur, um die kulturelle Situation der DDR kurz nach ihrer Gründung zu kommentieren: Als ideologische Kritik an der Pflege der Nationalkultur kann das Libretto als Eislers wesentlichster Beitrag zur Formalismusdebatte gelesen werden.

Der Faust ist eines der ältesten Stücke des Theatriums, und so spielt es in einer konventionellen Guckkastenbühne. Heinichen bleibt darüber sichtbar und führt die Puppen von oben; das Ausrollen neuer Szenen-Hintergründe (Ausstattung: Matthias Träger), untermalt von Renaissance-Musik, besorgt er selbst: Wie an kleinen Bühnen üblich, hat man es hier mit einem Schauspieler mit Umbau-Verpflichtung zu tun. Den volkstheatralisch komischen Charakter der Vorlage befeuert Heinichen, ohne den Stoff zu denunzieren. Dafür garantieren skurrile Typen, ironische Streiflichter auf die Reformation und vor allem die Eskapaden der sächselnden Kasperle-Figur Hans Wurst, die hier in Fausts Diensten steht. Der Prolog spielt in der Unterwelt.

Deren Herrscher Pluto reagiert auf die Klagen seines Fährmanns Charon, der bedauert, keine großen Toten mehr übersetzen zu dürfen. Also beauftragt Pluto Mephisto, Faust zu verführen, denn dieser gilt als außergewöhnliche Seele. Zwar strebt Faust danach, der Menschheit ein Vorbild zu sein, kann diesem Anspruch wegen seiner charakterlichen Schwächen jedoch nicht genügen: Er stirbt als tragische Figur, die sogar einem Hanswurst unterlegen ist.