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„The Waves“ in der Saarbrücker Feuerwache

„The Waves“ in der Saarbrücker Feuerwache : Faszinierende Tanzsprache

  Der französische Choreograph Noé Soulier (Jahrgang 1987) zählt zu den Shooting Stars der internationalen Tanzszene. Er hat sich mit seinen eigenwilligen Arbeiten, in denen er sich mit der Beziehung zwischen Bewegung und Gedanke auseinandersetzt, einen Namen gemacht.

Sein Tanzstück „The Waves“, das am Freitag im Rahmen des Tanzfestivals Saar in der Alten Feuerwache zu sehen war, fand große Resonanz. Es basiert auf dem Roman „Wellen“ der britischen Avantgarde-Schriftstellerin Virginia Woolf, aus dem die Tänzer drei Passagen vortragen. Doch was hat beispielsweise ein von Woolf ausgiebig und bis ins psychologisch kleinste Detail beschriebenes Duschbad einer ihrer Protagonistinnen mit Souliers Stück zu tun?  Woolf psychologisiert und experimentiert mit Worten, wenn sie die Seelenzustände ihrer Charaktere beschreibt. Soulier  versucht Ähnliches in seiner Tanzsprache. Auch hier sind es die kleinen alltäglichen Gesten, die interessieren, mit Bedeutung aufgeladen werden und freilegen, was unter der Oberfläche verborgen schlummert. 

Stellenweise pantomimisch mutet „The Waves“ an wie eine Körperstudie:  Die sechs Tänzer bearbeiten und erforschen ihre Gliedmaßen und die des anderen. Soulier zeigt ein „Stop and Go“ aus teils ekstatischer Bewegung und eingefrorenen, langsamen Gesten. Es entstehen wohltuende Pausen, die dem  Betrachter Zeit geben, diese ungewöhnliche Tanz- und Körpersprache in sich aufzunehmen. Das macht die packende Dynamik dieses Stückes aus. Wer sich einlässt auf diese betörende Tanz- und Musiksprache, erlebt einen hochästhetischen, anregenden Abend.