Studierende der HBK haben eine Ausstellung zum Thema des „Anderen“ konzipiert

Studenten stellen aus : Ein Erlebnis mit dem Anderen

Studierende der HBK Saar haben eine Ausstellung zum Thema des Anderen konzipiert. Insgesamt 18 Arbeiten von 21 Studierenden werden gezeigt.

Endlich mal wieder ein echtes Erlebnis in der Galerie der Hochschule der Bildenden Künste in Saarbrücken. Die aktuelle Ausstellung „End. Anders“ beginnt schon spannend. Im „Orgon-Elevator“ sollen die Besucher mit kosmischer Energie aufgeladen werden. Serge Ecker, Karen Fritz und Sarah Niecke haben den gläsernen Aufzug des Hauses mit Tierhaar und Alufolie verkleidet. Es ist eine Weiterentwicklung des „Orgonakkumulators“, den Wilhelm Reich erfunden hatte, um Lebensenergie zu sammeln. Ob das wirkt, muss jeder Besucher für sich entscheiden. Klaustrophobiker dürften aber nur negative Energien spüren.

Ausgangspunkt für die Ausstellung war das Atelierprojekt „Anders“ in dem sich die Kunststudierenden unter Leitung der Professoren Lanz und Winzen die Frage stellten, was ein Kunstwerk ausmacht. Wo beginnt Kunst und wo ist die Grenze zu Alltagsprozessen und Nicht-Kunst. Was macht Kunst anders? Bereichert wurde diese Fragestellung in der Ausstellungsvorbereitung mit Kurator Jan Heintz, der Student des Master-Studiengangs „Kuratieren“ ist: „Ich habe die Thematik des Anderen noch mal in eine andere Richtung getrieben. Ich habe vorher Philosophie und Kunstgeschichte studiert und habe mich intensiv mit radikaler politischer Theorie auseinandergesetzt. Und auch da gibt es den Diskurs von Andersheit und Kunst als etwas, was einen anderen Blick generiert und uns die Welt noch mal anders fühlen und wahrnehmen lässt“, erklärt der Kulturwissenschaftler. „Gleichzeitig hat die Imagination des Anderen und Neuen der 68er-Generation längst Eingang in den heutigen Diskurs gefunden und ist fast schon dystopisch geworden. Ständig wird an das Individuum herangetragen, sich immer wieder neu zu erfinden.“

Betritt man den Galeriesaal, fällt sofort auf, dass die Ausstellung mit viel Hingabe und Ideenreichtum konzipiert wurde und dabei eine Qualität entwickelt hat, die viel Luft zum Schauen und Sinnieren lässt: „Ich wollte ein Spiel aus Spannung und Distanz und etwas luftiger operieren, damit Raum zum Nachdenken entsteht“, berichtet Heintz. Anders als so oft ist der Saal nicht vollgestopft. Die Werke sind mit Spots beleuchtet, was Konzentration auf das einzelne Werk erlaubt, aber auch Spannung zwischen den Arbeiten erzeugt.

Heintz hat am Eingang eine Art Mindmap der Ausstellung konzipiert, die wesentliche Gedanken und Ideen grafisch transportiert. Furios startet die Ausstellung mit dem Blick auf Felix Dörrenbechers Studie „Selbstporträt“, der sein Antlitz als Fragment in Violett auf das Papier bannt und sein Bild von sich hinterfragt. In einiger Entfernung hängen drei Porträts von Dennis Di Biase, die als schemenhafte Wesen zu Landschaften werden. Gleich daneben Mario Maurers „Körperdruck II“, der auf dünnem Papier Abdrücke von Körperteilen verewigt, dabei aber abstrakte Landschaften entstehen lässt. In der Fragmentierung spielt der Künstler mit Präsenz und Abwesenheit des Körpers. Vielleicht eine der stärksten Arbeiten.

Zeichnerisch setzt sich Lisa Hoffmann mit dem Thema auseinander und zeichnet die Jacke ihrer verstorbenen Großmutter, die als Gegenstand der Erinnerung lebendig wird, fast skulptural erscheint und dann langsam immer schwächer und linearer gerät. Erinnerung verblasst ebenso wie Schmerz über den Verlust. Der Alltaggegenstand „Jacke“ wird in vielerlei Hinsicht anders.

Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich sich die Kunststudierenden dem Thema genähert haben. Neben Malerei, Zeichnung und Installation, sind auch Video und Fotografie vertreten. So erstellte Marius Heimburger fotografische Collagen, die das Porträt einer Person mit ihren Hobbys und Leidenschaften entstehen lassen. Sarah Niecke beleuchtet die Fassade mit „Schland Schlund“ und unseren Umgang mit Nationalismus und vier Studierende thematisieren unsere Esskultur als soziales Miteinander. Den Schlusspunkt setzt Paolo Cuffaro mit einem Video, in dem er die skurrilen Grimassen der White-Trash-Mütter persifliert, die ihre Töchter in  Schönheitswettbewerben zum Lächeln ermuntern.

Die Ausstellung macht Spaß, weil sie viele unterschiedliche Ansätze präsentiert und wieder mal beweist, welch kreatives Potenzial in den Studierenden der HBK steckt. Insgesamt 18 Arbeiten von 21 Studierenden werden gezeigt. Bemerkenswert ist nicht nur die künstlerische Reife vieler Studierender, sondern auch die Arbeit des studentischen Kurators.

Bereichert wird die Ausstellung durch einen Vortrag des Schriftstellers und Musikers Achim Szepanski am Donnerstag, den 16. Januar um 18 Uhr in der Galerie der HBK Saar.

„End. Anders“, Galerie der HBK Saar, Saarbrücken, bis 22. Januar 2020.