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Streit um Sicherheitskonzept.

Konzert vor 13 000 Menschen geplant : „Renaissance der Live-Musik“? Oder „schlicht verantwortungslos“?

Die von Corona hart getroffene Konzert-Branche will zum Befreiungsschlag ausholen – mit einer Show vor 13 000 Zuschauern. Es gibt viele Bedenken.

Das Getöse ist schon vor dem ersten Ton ziemlich laut: Ein in Düsseldorf geplantes Konzert mit 13 000 Zuschauern hat zu massiven Verstimmungen zwischen Stadt und Land geführt. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zweifelt öffentlich an der rechtlichen Grundlage. „Konzept und Genehmigung sind jedenfalls nicht mit dem Land abgestimmt, und ich habe begründete Zweifel an der rechtlichen Grundlage“, erklärte er. Sein Ministerium habe das örtliche Gesundheitsamt angewiesen, „die Rechtsgrundlage für diese Genehmigungsentscheidung darzustellen“.

Die Pläne für die  Show mit dem Titel „Give Live A Chance“ im Düsseldorfer Fußballstadion waren am Freitagmorgen bekannt geworden. „Wir machen die Tür auf für die Renaissance der Live-Musik“, erklärte Veranstalter Marek Lieberberg. Man sei sicher, dass das Publikum „enthusiastisch, tolerant und verantwortungsbewusst“ damit umgehen werde. Auftreten sollen unter anderem  Bryan Adams, Sarah Connor und The BossHoss. Das Konzept sieht vor, dass die Besucher dauerhaft Masken tragen – auch auf den Sitzplätzen. Schals, Halstücher oder „vorgehaltene Textilien“ sollen nicht akzeptiert werden. Sicherheitsabstand bleibe gewahrt. Besucher könnten alleine kommen, in Gruppen von bis zu zehn Leuten oder mit „Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes“.

Das Gesundheitsministerium scheint das nicht zu überzeugen. Kurz vor Ende der Reisesaison gebe es eine komplexe Infektionslage. „In dieser Situation Menschen aus ganz Deutschland zu animieren, quer durch das Land nach Düsseldorf zu reisen und zu Tausenden zusammen zu kommen, halte ich schlicht für verantwortungslos“, erklärte Laumann. Dass ein „lokales Gesundheitsamt in dieser Lage eine Veranstaltung dieser Größenordnung im Alleingang“ genehmige, habe ihn „nachhaltig irritiert“.

Zum Vergleich: Ebenfalls am 4. September will die Berliner Waldbühne wieder öffnen. Dort dürfen 5000 Plätze besetzt werden. Die Düsseldorfer Veranstalter verwiesen allerdings auf die Dimension: Auch bei 13 000 Zuschauern werde bei ihnen maximal ein Viertel der Kapazität genutzt.

Die Stadt Düsseldorf reagierte „verwundert“ auf die Kritik des Gesundheitsministers. Selbstverständlich sei ausführlich untersucht worden, ob das Konzert mit den Regelungen der Corona-Schutzverordnung vereinbar sei, erklärte Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Das Ergebnis: positiv. Veranstalter Lieberberg betonte, dass von den Zuschauern auch ein striktes Einhalten der Regeln erwartet werde. „Wer glaubt, dass er das nicht tun muss, der soll besser gar nicht kommen.“ Mitsingen sei erlaubt – unter der Maske. Das Dach der Stadions werde geöffnet bleiben. „Ich habe immer gesagt, dass es wichtig ist, endlich ein Wiedereinstiegsszenario zu finden“, sagte Lieberberg. „Wir sind die Branche, die zuerst von den Verboten betroffen wurde. Und wir werden wahrscheinlich die letzten sein, wenn die Verbote wieder aufgehoben werden.“