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Star-Tenor Peter Schreier mit 84 Jahren verstorben

Star-Tenor verstorben : Star-Tenor Peter Schreier verstorben

Mit seiner Kunst hat er Musikliebhaber auf der ganzen Welt begeistert. Nach dem Abschied von der Opernbühne hat sich Peter Schreier ganz dem Lied gewidmet.

„Ich habe in der ganzen Welt gesungen, dafür bin ich dankbar“, hat Peter Schreier kurz vor seinem 80. Geburtstag gesagt. Als gefeierter Tenor und Dirigent blickte er auf eine Weltkarriere zurück. Das spezifische Timbre aus Jugend und Weisheit war sein Markenzeichen. Am Mittwoch ist Peter Schreier im Alter von 84 Jahren nach langer Krankheit in einem Dresdner Krankenhaus gestorben, wie das Sekretariat des Musikers jetzt bestätigte.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte den lyrischen Tenor als „eine der eindruckvollsten Stimmen unseres Landes“. Schreier habe immer auch für die Kulturnation Deutschland gestanden, sagte sie in Berlin. Vor allem aber habe der „begnadete Sänger“ Maßstäbe als Interpret Johann Sebastian Bachs gesetzt.

Unvergessen bleibt Schreier etwa als Evangelist in der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach. Seine Stimme konnte so schlank und zart sein, wenn er vom Leiden und Sterben Jesu sang, dass die berühmte Stecknadel hätte gehört werden können. „Das war eine sehr zentrale Partie für mich“, sagte er einmal in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Er habe nie „nur als Vorleser“ agiert, sondern gesungen, als greife er quasi in die Handlung ein. Nicht zuletzt für die Interpretation der Passionen erhielt Schreier 2013 in Leipzig die Bach-Medaille.

Besonders geprägt habe ihn der Dresdner Kreuzchor, die neun Jahre, die er dort verbracht hat, sagte er. In der Nachkriegszeit sang er dort unter Kreuzkantor Rudolf Mauersberger (1889-1971). Früh erkannte dieser sein Talent und gab ihm erste Solos. „Er hat mir Stücke geschrieben, die genau auf meine Stimme passten“, erinnerte sich Schreier. Schon mit 15 oder 16 Jahren sei für ihn klar gewesen, dass er bei der Musik bleiben wird.

Erstmals auf der Opernbühne stand Schreier 1959 in Dresden zum Studienabschluss als „1. Gefangener“ in Beethovens „Fidelio“. Den Durchbruch schaffte er 1962 mit Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“. Danach begeisterte der
„Exportschlager“ aus der DDR auf den großen Bühnen der Welt. Von New York bis Mailand – der Sänger startete international durch. Mehr als 60 Partien hat er gesungen. 25 Jahre lang war er bei den Salzburger Festspielen engagiert.

Der gebürtige Meißner wuchs im nahe gelegenen Dorf Gauernitz auf. In seinem Elternhaus wurde zweimal in der Woche musiziert. Schreier studierte von 1956 bis 1959 Gesang und Dirigieren in Dresden, wo er bis zu seinem Tod lebte. Einen Namen machte sich der mehrfache Großvater und Urgroßvater auch als Liedinterpret. Er galt als hervorragender Schubert- und Schumann-Sänger.

Bereits 2013 stand Schreiers Leben auf Messers Schneide. Nach einer schweren Lungenentzündung folgten zwei Schlaganfälle, er fiel ins Koma und wurde künstlich ernährt. Ärzte konnten sein Leben gerade noch retten. Zwei Jahre später zu seinem 80. Geburtstag sagte er ohne Wehmut: „Ich habe alles erreicht, was ich mit meinen Möglichkeiten erreichen konnte.“