Sophie Hunger in der Saarbrücker Garage

Sophie Hunger in der Saarbrücker Garage : Beseelt, betäubt, bewegt, beglückt

Die Schweizer Musikerin Sophie Hunger hat in der Saarbrücker Garage ein hinreißendes Konzert gespielt.

Beseelt, betäubt, bewegt, beglückt lässt Sophie Hunger ihr Publikum zurück. Ein langer Moment der Stille, nachdem die Ballade „Train People“ verhallt ist, wird erst zögerlich gebrochen vom Jubel, beendet dann einen grandiosen Konzertabend, nach fünf anhaltend gefeierten Zugaben.

Jazzmotive und dumpfer Bass, Chanson und fetziger Rock, Synthesizer und Flügelhorn, Texte in vier Sprachen – ja, das geht, bewies Sophie Hunger aufs Neue. Die Komponistin, Sängerin, Texterin, Pianistin und Gitarristin fügt harmonisch ineinander, was unvereinbar scheint; sie bringt Gegensätze zusammen und was sie dabei hervorzaubert, ist erstaunlich. Spätestens seit ihrem kommerziellen Erfolg mit „Supermoon“ 2015 ist Sophie Hunger, Jahrgang 1983, kein Geheimtipp mehr. Umso verwunderlicher, dass sie in der Garage Saarbrücken vor gerade mal ein paar Hundert Zuschauern stand, wo sie auf ihrer Tournee in etlichen Städten mühelos die Konzertsäle füllt.

Mit dem lakonischen „I opened a bar“ eröffnete die Schweizerin, die seit einigen Jahren in Berlin lebt, ihre unprätentiöse, aber gewaltige und intensive Show. Der Sound des aktuellen, gefeierten Albums „Molecules“ ist überwiegend elektronisch; aber bei einigen ihrer früheren Songs wie „Le vent nous portera“, „Die ganze Welt“ oder dem zum Nachthimmel passenden „Supermoon“ kamen auch Fans ihrer älteren Jazz-, Chanson- und Folkklänge auf ihre Kosten. Mittendrin setzte die neue Band Glanzpunkte: mit „Spaghetti mit Spinat“ oder einer Variante von „Das Neue“, das sich in einem ausgedehnten Instrumentalteil vom Jazzklassiker zur rockigen JamSession verwandelt. Man will sich in diesen Klangteppich sinken lassen und nicht mehr aufstehen.

Alexis Anérilles an Synthesizer/Keyboards und Flügelhorn begleitet Hunger schon seit einigen Jahren, sie harmonieren perfekt; neu sind Martina Berther an Keyboards und Bass und Mario Hanni am Schlagzeug, außerdem der Schweizer Frank Powers, der ebenso unterhaltsam wie stimmgewaltig schon das Vorprogramm solo bestritt, an der Gitarre.

Neue, unveröffentlichte Songs gab es außerdem: „Halluzinationen“ und  „Rote Beeten aus Arsen“ über Liebe und Gift, wie sie sagte, und „Liquid Air“ – über „Liebe im Suff“. Im schwarzen Einteiler, grazil wie immer, plauderte Hunger charmant und ironisch zwischendurch: Was man in Saarbrücken unternehmen könne, wollte sie wissen, denn am Tag nach dem Konzert habe die Band frei und bleibe noch einen Tag in der Stadt. Und lud gleich selbst ein, zur bandinternen Tätowier-Session im Hotelzimmer. Obwohl sie selbst keine Tattoos habe und vor allem keine möge, erzählt sie – was wiederum den Misserfolg ihres Tinder-Profils erkläre.

Überhaupt, das Single-Sein. Sie wolle die Leute zusammenbringen, erklärte sie, sie sollen sich kennenlernen. Die Schnittmenge sei schließlich groß: Alle hören gerne Sophie Hunger, sind aus der Nähe von Saarbrücken und haben an einem Dienstagabend nichts Besseres zu tun, fasste sie zusammen. „Sprecht mit dem Herzen“, forderte sie, „das können die Menschen so nahe an Frankreich doch sicher.“ Sie selbst jedenfalls trifft ins Herz und wühlt auf, das ist auch in Saarbrücken deutlich zu spüren: Sophie Hunger bringt zum Tanzen, Weinen und Lächeln.