Sommer Szene : Fellini und der Schwanensee

Das Budget ist geschrumpft, dennoch will die Sommer Szene ab 5. Juli  wieder gelungenes Internationales Straßentheater zeigen.

65 Veranstaltungen mit 18 Gruppen aus acht Ländern – so international war die Sommer Szene noch nie. Vom 5. bis 15. Juli holen die Internationalen Straßentheatertage die gesamte Bandbreite des Genres nach Saarbrücken und Dillingen. Gestern stellten die beiden Festivalmacher, Marion Künster und Charlie Bick vom gemeinnützigen Verein „Kultur Direkt“, das Programm vor – Kooperationspartner sind die Landeshauptstadt Saarbrücken, der Regionalverband und die Stadt Dillingen. Auch wenn letztere, um gleich den Wermutstropfen einzuschenken, ihren Zuschuss gegenüber 2015 auf 15 000 Euro halbiert hat. Was trotz 9000 Euro an Sponsorengeldern für Dillingen dort einen vollen Tag weniger bei abgespeckter Programmdichte bedeutet.

Immerhin: Nach dem Ausstieg der Stadt Völklingen vor zwei Jahren ist Dillingen die letzte Kommune, die sich überhaupt noch beteiligt. Um trotz zunehmend schrumpfenden Etats (einem Gesamt-Budget von 160 000 Euro in 2015 stehen nun noch 144 000 gegenüber) weiterhin Qualität und Vielfalt gewährleisten zu können, findet die 1985 gegründete Sommer Szene seit 2007 ohnehin nur noch alle zwei Jahre statt. Bick: „Wir haben jetzt zehn Jahre lang nicht gejammert, aber so langsam wird’s wieder schwierig.“

Dennoch folgt das Festival auch im 32. Jahr den Prinzipien der Anfangsjahre. Nach wie vor spannt es etwa einen weiten Bogen von intervenierenden Aktionen bis zu aufwändigen Bühnenshows. Bereits Tradition ist ein bildgewaltiges Spektakel zum Auftakt auf dem Saarbrücker Schlossplatz: Mit der szenischen Hommage „Felliniana“ huldigt das italienische „Ondadurto Teatro“ dem italienischen Regisseur Federico Fellini. Doch in diesem Jahr endet das Festival auch mit einer Platzinszenierung: Die italienische Gruppe „OPLAS danza“ (früher „La Terra Nuova“) zeigt auf dem Dillinger Marktplatz eine Wiederaufnahme ihres 1997 uraufgeführten Erfolgs-Stelzen-Balletts „Es war einmal … ein Schwanensee“.

Weiterhin gilt auch: Eintritt frei! Um alle Schichten und Altersgruppen anzusprechen, setzen die beiden Festivalmacher wie gehabt auf ein niedrigschwelliges Konzept. Dazu gehört neben dem integrativen Moment – allein 14 Gruppen arbeiten fast komplett ohne (sinnstiftende) Sprache — unbedingt auch das Prinzip der Dezentralität: Um den gesamten öffentlichen Raum zu erobern, geht die Sommer Szene gezielt in Stadtteile wie Malstatt oder Brebach. Zum ersten Mal seit vier Jahren wird auch der DFG wieder bespielt. Am Samstag, 8. Juli, findet hier ein Großkampftag statt, der abends einen Publikumsliebling präsentiert, der in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert und der Sommer Szene schon ebenso lange die Treue hält: Das N.N. Theater aus Köln, sonst auf die Kulisse des Alten Schlosses in Dillingen abonniert, zeigt in der Konzertmuschel seine neue Produktion „Luther“ —aktuell passend zum Lutherjahr.

Neben Comedy, Musik, Akrobatik, Jahrmarktsattraktionen sowie Walking Acts aus Deutschland, Frankreich, Holland, Spanien und Kanada gilt ein besonderes Augenmerk in diesem Jahr den Tüftlern und Bastlern: Daniel Düsentriebe aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Spanien lassen es knattern oder die Puppen auf ungewöhnliche Art tanzen. Sollte die derzeitige Hitzewelle anhalten, taugt das wedelfeste Programmheft, das kostenlos ausliegt, übrigens als Ersatzfächer. Aber, so Bicks bauernschlaue Erkenntnis nach 32 Jahren Sommer Szene: Ausschlaggebend für das Sommerwetter sei tatsächlich der Siebenschläfer am 27. Juni.

Eröffnung: Mittwoch, 5. Juli, 21.15 Uhr, auf dem Saarbrücker Schlossplatz.
Infos: www.sommerszene.de.