Soderberghs „Die Geldwäscherei“ bei Netflix

Soderberghs „Die Geldwäscherei“ bei Netflix : Geld stinkt nicht, schon gar nicht in Panama

Im Film „Die Geldwäscherei“ versucht Regisseur Steven Soderbergh, die „Panama Papers“-Machenschaften zu erklären. Viel schlauer ist man hinterher aber nicht.

„Steuerhinterziehung“? Welch ein garstiges Wort. Klingt „Steuervermeidung“ nicht viel netter? Und auch ein bisschen legaler? So sieht es jedenfalls der Anwalt Jürgen Mossak, den Gary Oldman in „Die Geldwäscherei“ spielt – oft wie in einem Werbespot für die Luxusgüter dieser Welt, mit großer Geste, feinen Zwirn und, in der US-Originalfassung, dezent schnarrendem deutschen Akzent (der reale Mossak kommt aus dem fränkischen Fürth). Ihm zur Seite scharwenzelt Antonio Banderas als Juristenkollege Ramón Fonseca, ebenfalls ein Mann, der seine teuer manikürten Hände demonstrativ in Unschuld wäscht, auch wenn er den Superreichen mit einer Legion von Briefkastenfirmen die „Steuervermeidung“ erleichtert.

2016 wurden die sogenannten Panama Papers öffentlich gemacht, über elf Millionen Dokumente, die zahllose Machenschaften von Reichen und Superreichen, von Politikern und Promis belegten, die mit Geldwäsche und Briefkastenfirmen dafür sorgten, dass sie mehr Netto vom Brutto bekamen – gerne 100 Prozent, wenn möglich. Die Fäden liefen bei der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca zusammen, mit Hauptsitz in Panama-Stadt und knapp 40 Niederlassungen im Rest der Welt.

Regisseur Steven Soderbergh hat nun zum Thema einen Film gedreht, finanziert vom Streaming-Anbieter Netflix: „Die Geldwäscherei“ hatte seine Premiere im September beim Filmfestival in Venedig und ist jetzt bei Netflix zu sehen – nachdem Mossak und Fonseca noch vergeblich versucht hatten, die Ausstrahlung des Films zu verhindern, weil sie sich von ihm verleumdet fühlen.

Soderbergh ist ebenso ein Mann der grandios luftigen Unterhaltungs-Soufflés wie den „Ocean’s–11“-Filmen und der engagierten Thriller: In „Side Effects“ zeichnete er Machenschaften der Pharma-Industrie nach, in „Traffic“ ging es um Drogenhandel, in „Erin Brockovich“ um Umweltverschmutzung und deren Vertuschung. In „Die Geldwäscherei“ geht es um Ungleicheit, Arroganz und Ignoranz der Macht; davon erzählt Soderbergh, anders als in „Traffic“ oder „Erin Brockovich“, in leichtem Ton, komödiantisch, mit bunten Bildern (fotografiert von ihm selbst), und einigem Tempo. Nur: Viel Wissen über die Machenschaften oder viele Eindrücke bleiben nicht hängen, „Die Geldwäscherei“ ist ein merkwürdiger Film – bunt und sehr unterhaltsam, aber auch flüchtig und oberflächlich. Meryl Streep spielt eine Rentnerin, deren Mann bei einem Fährunglück stirbt. Dessen Lebensversicherung erhält sie nicht, da das betreffende Unternehmen mittlerweile in einer obskuren Briefkastenfirma aufgegangen ist, die wiederum in einer anderen Briefkastenfirma ... – und so weiter.

Die Witwe erhält immerhin eine Teilsumme und zahlt damit ein Eigentums-Appartment in Las Vegas an – was dann aber schwerreiche Russen kaufen, in bar, und die Witwe übergehen. Die forscht weiter, was es mit den obskuren Firmen auf sich hat – der Film aber scheint sein Interesse an ihr verloren zu haben und wendet sich einer anderen Geschichte  zu: Ein schwerreicher Vater schenkt seiner Tochter eine Firma (die buchstäblich nur aus Papier ist), um sich ihr Schweigen über sein Fremdgehen mit einer ihrer Freundinnen zu erkaufen. Irgendwann taucht Streep wieder auf (sie spielt auch eine andere Rolle, die sich im Finale offenbart), und immer wieder schlendern Banderas und Oldman durch die sonnige Szenerie, um uns die Schönheit von Luxus zu zeigen und den möglichst flexiblen Umgang mit Steuerrecht nahezulegen.

Vielleicht hat Soderbergh ja gefürchtet, beim Thema Korruption und Geldwäsche einen zu trockenen Film zu drehen, und deshalb das Tempo angezogen. Aber wie das Panama-Prinzip nun genau funktioniert, das erklärt diese bunte, durchaus unterhaltsame, ein bisschen selbstverliebte Farce nicht. Immerhin erfährt man, wie es ist, wenn ausgerechnet Meryl Streep mit einer Schrotflinte ein Büro stürmt.