Serkan Ates-Stein siegt beim zweiten saarländischen Comedy-Slam

Comedy-Slam : „Wie verhüten Sie? Na, mit Persönlichkeit!“

Sie haben es schon wieder getan! Nachdem der erste saarländische Comedy-Slam namens Comedy 101 im Mai gut angenommen wurde, organisierten Zain Qureshi und Donald Bokumabi gleich den nächsten.

Dieses Mal hatten leider etwas weniger Zuschauer den Weg in die Aula der Uni in Saarbrücken gefunden. „Der Samstag ist wohl doch nicht so ideal“, beklagte Qureshi die Konkurrenz vieler Weihnachtsfeiern und anderer Kulturveranstaltungen.

Das Aufwärmprogramm machte der Sieger des erstens Slams, Luca Brosius. Hatte er im Mai verschiedene Formen des Club-Tanzes vorgeführt, befasste er sich nun mit dem Flirt im Fitnessstudio. Seine Mischung aus Mr. Bean und notgeilem Aufreißer war köstlich anzuschauen. Leider floppten die ersten beiden Slam-Teilnehmer Mario Wendler und Denis Matus. Vielleicht war es die Aufgeregtheit, vielleicht die etwas kühle Atmosphäre in der Aula – jedenfalls wollte bei den beiden keine rechte Stimmung aufkommen. Da war es ein Leichtes für Serkan Ates-Stein, die Vorrunde gegen die beiden zu gewinnen. Das machte er allein schon mit mehr Temperament, mit zündenden Pointen und auch mit seinem stimmlichen Talent. Doch dazu später.

Nicht so einfach war es dagegen für Tobi Freudenthal, das Finale zu erreichen. Zwar kam Konkurrentin Lara Autsch gar nicht gut an beim Publikum, obwohl sie einen der besten Witze des Abends gemacht hatte: „Fragt mich der Frauenarzt: Wie verhüten Sie? Na, mit Persönlichkeit!“ Es war jedoch Jamie Wierzbicki, der bei der Lautstärke des Applauses gleichauf war mit Freudenthal. Wierzbickis eigenartig wirkender Charakter (Modebezeichnung „creepy“), die absurden Geschichten und das nicht minder abgedrehte Outfit kamen gut an. „Gott hat mich erschaffen, weil ihm langweilig war“, erklärte Wierzbicki – und erzählte davon, wie er einmal das Handy aus dem Fenster geworfen hatte, um so eine Fliege zu vertreiben.

Die Zeit bis zum Finale durfte außerhalb der Konkurrenz der saarländische Newcomer Philipp Schickor überbrücken. Das gelang ihm so gut, dass die Begeisterung des Publikums kaum zu unterscheiden war von der bei den Favoriten. Den Slam entschied schließlich Tobi Freudenthal für sich – wohl auch deswegen, weil Serkan Ates-Steins Vortrag etwa zur Hälfte aus der Demonstration seiner hervorragenden Beatboxer-Fähigkeiten bestand. Allein mit der Stimme Schlagzeug, Basslinien und Melodien von Songs zu liefern, so dass nicht mehr viel zum Original fehlte, war natürlich stark. Aber leider fehl am Platz bei einem Comedy-Slam. Im Publikum gewann man den Eindruck, dass Ates-Stein deswegen so stark darauf setzte, weil er vom eigenen Comedy-Talent nicht überzeugt genug war.

Was Freudenthal zudem gut beherrschte, war das Einbinden des Publikums: Ihm war ein Zuschauer in der ersten Reihe aufgefallen, der seine Ovation mit einem einzelnen Klatscher kundtat. Daraus bastelte der Kölner Comedian schnell einen Running Gag. Insgesamt machte er den professionellsten Eindruck von allen, was auch sein Werdegang mit zahlreichen TV-Auftritten bestätigt. Comedy 101, die Zweite, war auch dieses Mal eine gelungene Veranstaltung – wenn auch etwas zu langatmig und in zu kühlem Aula-Ambiente.