Schreibexplosion in Spiesen-Elversberg

Saarbrücken · Die Inflation an Regionalkrimis reißt nicht ab. Viele sind nicht viel mehr als halbgare Heimatkunde. Der Neunkircher Klaus Brabänder zeigt, dass sie jedoch auch als Genreform funktionieren können.

Noch ein Regionalkrimi? Noch ein Regionalkrimi! Und kein schlechter. Hiesige werden ihn schon deshalb mögen, weil Klaus Brabänder mit viel Liebe zum Detail und zu seiner Heimat authentische Schauplätze zeichnet. Bis hin zum tatsächlich existierenden Kneipenwirt mit allen Stammgästen. Der Rest der nach Krimiliteratur dürstenden Leserepublik darf sich über einen spannenden, gut erzählten, kurzweiligen Krimi freuen.

Aber der Reihe nach. Die Beerdigung des 87-jährigen stadtbekannten Promis und Ex-Showmasters Hans Eich, der anschließende Leichenschmaus und die Verlesung des Testaments scheinen so gar nicht als beginnender Spannungsbogen zu taugen. Ein alter, reicher Mann, der mit seinen TV-Auftritten ein beachtliches Vermögen zusammengetragen hat, stirbt im Schlaf und verfügt, dass sein Lieblingsenkel einiges mehr vom Erbe abbekommt als die übrigen Kindeskinder. Die Reaktion der Benachteiligten ist verhalten zynisch, zeigt jedoch mitnichten Neid oder Missgunst, die als Mordmotiv dienen könnten, sollte sich herausstellen, dass Eich doch keines natürlichen Todes starb.

Dann erschüttert eine Explosion das beschauliche Spiesen-Elversberg. Wurde die saarländische Gemeinde Ziel eines Terroranschlags? Hauptkommissar Joachim Schaum, genannt Josch, vom LKA Saarbrücken beginnt seine Ermittlungen in der Kneipe der Siedlung Am Köppchen in unmittelbarer Nähe des Tatorts. Auch die Stammgäste beteiligen sich tatkräftig. Bald wird das Opfer der Explosion als Rudi Blechschmidt identifiziert. Er gehörte zu einem stadtbekannten Männerquartett, das seit Schulzeiten unzertrennlich war. Als der zweite des Quartetts durch eine Explosion getötet wird und sich herausstellt, dass Eich einst Schulleiter des Gymnasiums war, wo die vier Männer Schüler waren, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Man kann über viele Regionalkrimis lamentieren, sie als halbgare Melange aus Heimatkunde und Ausflugstipp verpönen und daher meiden. "Für Eich" ist ein überzeugender Krimi. Dass der gebürtige Neunkircher Klaus Brabänder ihn mit authentischen Milieuschilderungen und liebens- und schmunzelswerten Dialekt-Kostproben garniert und mit wohldosierter Akribie in seiner Heimat verortet, macht ihn nur noch lesenswerter. Mehr davon!

Klaus Brabänder: Für Eich. Edition Schaumberg, 230 Seiten, 12.80 €.