Schlagzeuger Ginger Baker gestorben

Zum Tod von Schlagzeuger Ginger Baker : Der explosivste Trommler von allen

Der weltberühmte Schlagzeuger Ginger Baker, legendär auch für sein aufbrausendes Temperament, ist im Alter von 80 Jahren gestorben.

Selbst mit knapp 80 wollte er es noch mal wissen und gab mehrere Konzerte. Da hatte er schon eine Operation am offenen Herzen hinter sich, litt an Arthrose und einer chronischen Lungenerkrankung. Am Sonntag nun ist Ginger Baker im Alter von 80 Jahren gestorben.

1939 kam „Ginger“ – so genannt wegen seiner roten Haare – als Peter Edward Baker im Londoner Stadtteil Lewisham zur Welt. Schon als Schüler schlug er mit der Hand Rhythmen auf der Schulbank. Baker wuchs vaterlos auf und träumte davon, Radrennfahrer zu werden. Doch ein Unfall verhinderte das. Stattdessen bildete ihn der britische Jazz-Schlagzeuger Phil Seamen (1926-1972) zum Profimusiker aus. In den frühen sechziger Jahren war Baker der am meisten bewunderte Schlagzeuger der britischen R&B-Szene. Dann gründete er mit Eric Clapton und Jack Bruce (1943-2014) die Band Cream. Das ging nur zwei Jahre lang gut. Bis zu ihrer Auflösung 1968 verkaufte das Trio Millionen Platten mit Klassikern wie „Sunshine Of Your Love“, „White Room“ und „Crossroads“. Viele Faktoren trugen zum Ende von Cream bei: Bakers Temperament ging oft mit ihm durch, er geriet immer wieder mit Jack Bruce im Jähzorn aneinander – sogar auf der Bühne. Außerdem bot die ekstatische Fangemeinde keine Herausforderung mehr: Das Publikum jubelte bereits, bevor die Musiker ihre ersten Noten gespielt hatten.

Nach dem Aus von Cream gründete Baker mit Eric Clapton die kurzlebige Band Blind Faith und das Jazz-Rock-Kollektiv Ginger Baker’s Air Force. In dem afrikanischen Superstar Fela Kuti fand er eine verwandte musikalische Seele, baute ein Aufnahmestudio in Lagos auf und steckte sein Geld in den Polosport. Später spielte er in der Post-Punk-Gruppe Public Image Ltd des früheren Sex-Pistols-Sängers John Lydon. Damals war er schon mehrfach für tot erklärt worden, denn seine Heroinsucht war legendär. In einem Interview mit „Forbes“ erinnerte sich Baker an einen Vorfall im Jahr 1968, als er in einem Sportwagen „mit drei wunderschönen jungen Mädchen“ von Los Angeles nach San Francisco fuhr. „Das Radioprogramm wurde unterbrochen, um mitzuteilen, dass ich aufgrund einer Überdosis Heroin gerade tot in meinem Hotelzimmer aufgefunden worden war“, erzählte Baker. „Ich muss im Himmel sein, dachte ich. Ich bin auf der Route 101 unterwegs, die Sonne scheint, die Vögel sitzen in den Bäumen.“

Erst 1981 kam Baker vom Heroin los. Er hatte sein Vermögen verloren, sein Schlagzeug stand ein Jahr lang ungenutzt in der Scheune und aus Verzweiflung baute er Olivenbäume in Italien an: „Es war wahrscheinlich das Beste, was mir je passiert ist. Ich habe die Drogenwelt komplett hinter mir gelassen.“

2005 kam Cream in Originalbesetzung nach 37 Jahren für eine letzte Wiedervereinigung wieder zusammen; 2014 brachte Baker, der 1996 auch beim St. Ingberter Jazzfestival aufgetreten war, das Soloalbum „Why?“ heraus.

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