Neuer Saar-Fotoband: Saarländische Augenblicke

Neuer Saar-Fotoband : Saarländische Augenblicke

Bannende Porträts: Für seinen neuen Band hat Werner Richner saarländische Künstler fotografiert. Buchvorstellung heute.

1550 Gramm: eine Wucht von Buch. Und kein Band bloß zum Reinblättern. Nein, beim Umschlagen wird man seitenweise innehalten, diese Augenblicke nicht vergessen. Wie einen etwa Alfred Gulden, Wallerfangens Wortmächtiger, durch seine dünne Brille fixiert. Rebellisch das Haar, der Blick aber weltskeptisch, den nur der Anflug eines Lächelns mildert.

Es ist ein opulenter Foto-Band geworden, in dem, was er uns von saarländischen Künstlern offenbart. Und doch wird er nie laut in seiner unbedingten Konzentration auf die Menschen, auf ihre Gesichter. Der Saarlouiser Fotograf Werner Richner hat das 160-Seiten-Opus jetzt vorgelegt. Das auch eine Art Premiere ist. Denn Richner ist seit 1984 als Profi-Fotograf für Reisemagazine unterwegs, macht für renommierte Buchverlage Aufnahmen. Wenn „Geo“ oder „Dumont“ riefen, setzte er Landschaften und Menschen in Szene. Bildbewusste Firmen wie die Lufthansa vertrauten ihm schon. „Ich habe aber immer auf Auftrag hin gearbeitet“, sagt Richner. Dieses Mal aber folgte er seinem eigenen Impuls. Endlich mal einen reinen Porträtband machen. Und das mit Menschen hier im Land, wo der Vielreisende doch eher sporadisch ist.

Dafür hat Richner über zwei Jahre hinweg seine „Bildmenschen“ von der Staatstheater-Opernsängerin Elizabeth Wiles über den Kabarettisten Detlev Schönauer bis zum Altrocker Helmuth Altmeyer in sein Saarlouiser Atelier gebeten. Gerne wartet Richner sonst, wenn er unterwegs ist, auf Situationen, auf das Licht, mit denen sich der besondere Moment kreieren lässt. Für seine Porträts aber sperrte er die wankelmütige Natur, Dunst und Regen aus, arrangierte unter kalkulierbarer künstlicher Sonne seine Bilder. Dafür habe er richtig Geld ausgeben, sagt er, eigens eine sündhaft teure Blitzanlage angeschafft. Streng in Schwarz-Weiß hielt er seine Aufnahmen. Weil das die Züge schärfe, den Charakter herauspräpariere. „Hautnah“, so heißt sein Band, weil Richner wirklich auf die Pelle rückte. Seine Künstler – „denn die haben die ausdrucksstärkste Physiognomie“ – am liebsten ungeschminkt, jedes Fältchen dokumentierend, fotografiert hätte. Mutig, sich darauf einzulassen. Doch keiner der 77 Porträtierten habe nachher Bilder zurückgezogen, so der Fotograf. Allerdings wollten sich nicht alle so unvermittelt Richners Kamera stellen. Manche brachten doch etwas Makeup zwischen sich und die Hochleistungsobjektive der Canon-Kamera. Die stets die Augen fokussierte. „Die Augen sind die Spiegel der Seele“, behauptet ein japanisches Sprichwort: Richners Porträts beweisen es. Seine Auswahl ist im besten Sinne subjektiv. Freunde, Bekannte, aber auch Künstler, die man ihm empfahl, bat er ins Atelier. Er wollte die Vielfalt in diesem kleinen großen Landes abbilden. Darum findet sich etwa auch der Saarbrücker Bodybuilder Patrick Heisel. „Ein Körperkünstler“, findet Richner.

Bei ihm ist man übrigens leicht versucht, das Bonmot vom Propheten zu bemühen, der im eigenen Land (noch viel zu) wenig gilt. Tatsächlich werde er immer noch mehr darauf angesprochen, dass er mal Lead-Gitarrist der legendären Saar-Formation „Nightbirds“ war. Was für ihn 40 Jahre her ist. Ein fanatischer Musiker sei er gewesen, sagt Richner, der 1948 in Völklingen zur Welt kam. Schule, das Studium der Wirtschaftswissenschaften waren ihm nur Begleitmusik. Die „ewige Party des Rock ’n’ Roll“ habe er aber in vollen Zügen genossen. Dann wollte er jedoch etwas anderes, verscherbelte seine Marshall-Lautsprecher und -Verstärker, seine Gitarren, kaufte sich eine Kamera „und ich kniete mich da genauso rein“. Zunächst holte er sich Rat in Fotoclubs, schaute, lernte. Bald gab es Preise. Und man wurde auf ihn aufmerksam. „Ein Bildband über die Mosel“ war dann der Start für eine  andauernde Profi-Karriere.

„Hautnah“ aber ist nun sein ganz eigenes Buch. Und Richner ist glücklich im „Geistkirch“-Verleger Florian Brunner, selbst Fotograf, jemanden gefunden zu haben, der seine Bilder so verständig in ein Buch übersetzen konnte. Derweil hat der Saarlouiser Fotograf längst ein neues Langzeitprojekt vor der Linse: Er lichtet Kirchendecken in  Europa ab, war gerade dafür in Italien. Völlig andere Ansichten, aber sicher nicht minder faszinierend.

Werner Richner: „Hautnah – Saarländische Künstler im Porträt“, 160 Seiten, Geistkirch, 44 Euro.
Buchvorstellungen: heute, 19 Uhr, im Saarbrücken Kultusministerium. Und am 9. November, 19 Uhr, im Saarlouiser Theater am Ring.