Saarbrückens Alte Feuerwache bringt David T. Littles "Soldier Songs" auf die Bühne

Theaterpremiere : Eine zutiefst amerikanische Geschichte

In Saarbrückens Alter Feuerwache hat am Sonntag David T. Littles ambitioniertes Multimediawerk „Soldier Songs“ Premiere.

Eine zutiefst amerikanische Geschichte: Ein junger Mann zieht als Held in den Krieg, dort wird er zum Killer, als Wrack kehrt er heim. Die fast mythologische Überhöhung der „army,“ der harten Jungs der „marines“, ist für die Bundeswehr kaum denkbar, die „Weltpolizei“ USA hat über Jahrzehnte –  zwar in ihrem Sinne, aber immer mit formuliertem Moralanspruch –  die Welt aufgeräumt, die Liste us-amerikanischer Militärinterventionen allein im 20. Jahrhundert ist lang.

Der Musiker David T. Little, 1978 in New Jersey geboren, ein Multitalent, das es seit Jahren nicht nur in die Feuilletons, sondern auch in die Hitparaden schafft, hat mit „Soldier Songs“ ein Multimediawerk für die Opernbühne geschrieben, mit Bariton, Kammerorchester, Sound-Design und Videoeinspielungen. Ihm war aufgefallen, dass seine männlichen Verwandten eigentlich alle mal im Krieg waren. Anfang der 2000er Jahre befragte er sie und hörte immer wieder: „Das habe ich noch nie erzählt.“ Aus den in ihrer Banalität wie in ihrer Tragik schockierenden Zeitzeugnissen hat er Lieder komponiert – Musik, die Genregrenzen sprengt.

Die Erfahrungen der fünf Veteranen werden auf der Bühne auf drei Lebensalter verteilt, Kind, erwachsener Held und Veteran – die Lebenszeit wird in dieser Dreiteilung zwischen sechs und 66 Jahren abgebildet. Wenn es in einem der Liedtexte aus Originalzitaten heißt: „killing bad guys with funny names“, kann man dann so sicher sein, dass es die kindliche Perspektive ist? Kern seiner Arbeit, erklärte David T.Little einmal, sei das Unvermögen der Betroffenen, über die schrecklichen Kriegsereignisse zu sprechen. Little wollte verstehen, fand sein Verstehen mangels eigener Erfahrung begrenzt und beschloss, sich mit Empathie und künstlerischem Ausdruck zu nähern. Mitfühlen soll auch das Publikum, Little erzeugt Emotion und lässt sich in der Wahl der Mittel nicht durch Traditionen beschränken.

Auch für Regisseur Jochen Strauch ist das Theater der Ort, um „in Gefühlswelten“ zu geraten. Er selbst ist „mit 17 ins Theater gegangen und nicht wieder rausgekommen.“ Das macht 30 Jahre Berufserfahrung. Er hat sich die Welt „draußen“ dann aber doch noch mal genauer angesehen und den Realitätscheck mit sinnvollen Ausbildungen in Rechts- und Finanzdingen untermauert. Kunst ohne „gesellschaftliche Relevanz,“ ohne politisch Brisantes interessiert ihn nicht. Er will die Menschen packen, hier mit Neuer Musik, im besten Fall will der Zuschauer nach dem Besuch von „Soldier Songs“ mehr davon. „Das alles muss auf die Straße, es nutzt ja nichts, wenn wir in unserem Kunstzirkel darüber reden“, so Strauch. Populismus und Demokratiefeindlichkeit – also das, was Francis Fukuyma in seinem Buch „Identität“, dessen Lektüre Jochen Strauch erwähnt, „Politik des Unmuts“ nennt – fänden ihren Nährboden dort, wo Menschen ihrer Würde und Identität beraubt seien. Unmut, wie ihn auch der Soldat fühlt, der alles für sein Land gegeben hat und doch kein rechter Held ist, weil die Grenzen von „good and bad“ verwischen.

Premiere am kommenden Sonntag um 19.30 Uhr in der Alten Feuerwache.

Mehr von Saarbrücker Zeitung