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Saarbrücken hat neuen Verlag "The Dandy is Dead"

Neuer Verlag in Saarbrücken: „The Dandy is Dead“ : „Alles ist erlaubt – solange es nur ein wenig merkwürdig ist“

Die besten Ideen hat man ja oft im Urlaub – etwa im Seebad Brighton, bei winterlichem Schmuddelwetter. Da beschlossen die Saarbrücker Tom Becker und Germaine Paulus, einen Verlag zu gründen. Unterm tiefhängenden britischen Himmel spielten und rechneten sie alles fünf Tage lang durch, wussten dabei manches noch nicht - „etwa, wie viel eine ISBN-Nummer für ein Buch kostet“, wie Becker sagt.

Zahllose Verlagsnamen kritzelten sie in Pubs auf Bierdeckel, „Krummer Hund“ etwa und „Querschläger“. Am Ende wählten sie das international anmutende „The Dandy is Dead“, passend zur Faszination des Ehepaars für das Dandytum schlechthin, Halstücher und Oscar Wilde. Mit dessen Prosa haben ihre beiden ersten Veröffentlichungen nun weniger zu tun, es geht, wie die beiden sagen, um „abseitige Schriften. Alles ist erlaubt, solang es nur ein wenig merkwürdig ist.“

„Basement Tales“, in Verlagsworten „eine Heftreihe für den sonderbaren Geschmack“, ist das Rückgrat des Programms: mit mehreren Kurzgeschichten wechselnder Autoren in einem Band – alle drei Monate erscheint ein neuer Band, sechs Ausgaben sind durchgeplant, das (vorläufige) Finale ist im Dezember 2019. Jedes Buch, dessen Texte als wohlige Groschenheft-Hommage zweispaltig gesetzt sind, steht unter einem Oberbegriff. „Bodensatz“ ist das Motto des Debüts, mit einer Gruselgeschichte in viktorianischer Zeit, einem Stück absurd gefärbter Fantastik, hartem Horror und einer Killermär mit Film-Noir- und Raymond-Chandler-Aroma – und noch zwei Zugaben. Die Autoren der ersten Ausgabe mit 48 Seiten (für 7,90 Euro) sind Christian von Aster, Heike Schrapper, Alex Jahnke und Germaine Paulus selbst, deren Krimi „Pfuhl“ (334 Seiten, 15,90 Euro) die zweite Veröffentlichung bei „The Dandy is dead“ ist - „mit 19 Leichen und mit viel Lust an Klischees“, sagt die Autorin.Mitte Dezember folgt „Basement Tales – Vol. 2“ (mit dem Motto „Sperrgebiet“), unter anderem dabei ist der in Saarbrücken lebende Autor Christoph Marzi, zwei Mal prämiert mit dem Deutschen Fantastik-Preis. Autoren zu finden, „ging wahnsinnig schnell“, sagen die beiden. Christian von Aster war von Anfang an dabei, man kennt sich, Paulus hatte eine ihrer Kurzgeschichten in einer Anthologie veröffentlicht, die von Aster herausgab. Die Fantastik-Szene ist eben gut vernetzt, sagt Paulus, die in Saarbrücken mit dem „Unterdeck“ zusammen mit Isa Theobald eine Lesebühne betreibt (in der „Nautilus-Bar“).

Foto: The dandy is dead

Verlegerische Frischlinge sind die beiden, die den Verlag nebenberuflich betreiben, nicht: Becker, 47, Kaufmann im Hauptjob, hat früher das Szene-Fanzine „Regency Dandy“ herausgegeben; Paulus, 46, Absolventin der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) und Texterin, ist Mitherausgeberin/Redaketurin der St. Ingberter Filmzeitschrift „Deadline“, die bundesweit erscheint. Und zusammen haben die beiden PopRäte 2017 das kleine feine Filmfestival „Sideshow“ mit Kinovorstellungen an ungewöhnlichen Orten veranstaltet – darunter ein Gruselabend in einem Saarbrücker Begräbnis-Institut.Band 1 der „Basement Tales“ und „Pfuhl“ stellen die beiden nächste Woche vor, bei einem Abend mit Lesung (Christian von Aster und Paulus), Musik (die Saarbrücker Band Mikromoon) und einem Dj-Set (Jean Marc). „Wir wollen Autoren und Künstler verschiedener Genres zusammenbringen“, sagt Becker, auch bei der Gestaltung der Bücher. Die „Basement Tales“ erscheinen in einer Tüte wie für Beweismittel, in jedem Band ist irgendwo ein von Hand geprägter Käfer zu finden, das Logo des Verlags - gestaltet wird das alles vom Saarbrücker Designer Stefan Hübsch (Kiosk 13). Jedem Band liegen vier gefaltete DIN-A3-Poster bei, von jeweils einem Künstler/Designer, der die jeweilige Geschichte optisch interpretiert. „Das Genre der Kurzgeschichte verdient mehr Beachtung“, sagt Becker, „und wir wollen es feiern, auch mit den Postern.“ Wem die besonders gut gefallen, der kann sie auch beim Verlag im DIN-A1-Format kaufen.

Foto: The Dandy is dead/The dandy is dead / Stefan Hübsch

Für den dritten Band ist eine Kooperation mit der HBK geplant. „Unser Ziel ist, die Sachen etwas anders zu machen“, sagt Paulus – etwa auch beim Internet-Auftritt. Dort hatten sich in den letzten Wochen die Autoren der ersten Kurzgeschichtenbände erst einmal verhüllt gezeigt, um dann nacheinander und möglichst spannungssteigernd, ihre Vermummung abzulegen - mal eine Popcorntüte, mal eine (frische) Unterhose über dem Kopf. „Unsere Autoren haben da richtig Lust drauf“, sagt Paulus und kündigt weitere Preziosen im Online-Shop des Verlags an: Bademäntel mit „Dandy“-Logo sind in Planung, in Schwarz und in Hugh-Hefner-Playboy-Bordeaux. „Vielleicht werden wir ja ein Modehaus“, sagt Becker, meint das nicht ernst und fasst das Verlagsmotto so zusammen: „Wir wollen etwas machen, das bleibt. Und wenn das Ganze am Ende dann doch nicht funktioniert, haben wir trotzdem etwas Schönes produziert."

Termin: Donnerstag, 13. September, 19.30 Uhr, im Horst! (Sb).
Info: www.thedandyisdead.de, http://kiosk13.com