Robuster Seufzer, diabolische Dramatik

Robuster Seufzer, diabolische Dramatik

Internationaler Pianistennachwuchs war am Donnerstag in Riegelsberg zu Gast: Acht Künstler aus dem „Forum junger Solisten“ präsentierten sich im Rathaus.

Überfüllt war er der Festsaal des Rathauses Riegelsberg, als Klavier-Professor Wolfram Schmitt-Leonardy am Freitag acht seiner Zöglinge aus dem von ihm betreuten "Forum junger Solisten" vorstellte, über dem der Starpianist Lang Lang mit seiner "Lang Lang Foundation" schwebt. Knut Hanßen, Schmitt-Leonardys Assistent an der Münchner Musikhochschule, eröffnete als Ältester und gestalterisch Reifster den Reigen, zeichnete in Beethovens op. 31,3 weite Bögen, ohne den ungestümen jungen Beethoven zu verleugnen. Dann Haiting Ning (Dalian/China, 18), die Liszts Konzertetüde "Un sospiro" für einen "Seufzer" recht robust anging, aber doch mit Delikatesse und großer pianistischer Geste. Danach inszenierte Jan Nikovic (Zagreb, 15) den 1. "Mephisto-Walzer" diabolisch-dramatisch und hob als Gegensatz die von Liszt mit "amoroso" überschriebenen Abschnitte hervor. Joshua Mhoon aus Chicago, mit 13 Jahren der jüngste unter den jungen Leuten, begann mit einer Haydn-Sonate, stürmte dann wieder aufs Podium und feuerte ein jazziges Stück von Kapustin in den Saal. Unverzüglich fügte er noch Liszts "Gnomenreigen" hinzu, der bei ihm eher wie eine Gnomenrallye klang, aber stürmischen Beifall auslöste.

Danach aufzutreten, war eine undankbare Aufgabe für Maria Linares aus Valencia (15). Aber sie lieferte ihre Liszt-Etüde "La leggierezza" titelgerecht "mit Leichtigkeit" ab. Danach schuf Ziemowit Switalski (Sosnowiec/Polen) in Chopins Valse Es-Dur mit nervösen Brüchen im Tempo und rasch wechselndem Tonfall seiner Interpretation ein erfrischend neues Bild dieses Werkes.

Auch Lissy Hermelink (Stuttgart) wurde den technischen Schwierigkeiten des zweiten "Moment musical" von Rachmaninoff mit vorwärts drängender Energie vollauf gerecht. Den krönenden Abschluss des Konzerts lieferte Kaan Baysal (Istanbul) mit einer meisterlichen Darstellung des b-moll-Scherzos op. 31 von Chopin. Heiterkeit erregte eine seiner zwei Zugaben: Mozarts "Türkischer Marsch" in einer witzig verjazzten Fassung von Fazil Say. Ein Genuss, acht Hochbegabungen hautnah auf dem Podium zu erleben, und ein Kompliment an Riegelsberg, dass es weitaus größeren Städten und Sälen dieses Event vor der Nase weggeschnappt hat.

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