„River’s Edge - Das Messer am Ufer“ neu auf Blu-ray

„River’s Edge - Das Messer am Ufer“ neu auf Blu-ray : Oh Gott, diese Jugend von gestern

Mit „Rivers’ Edge“ erscheint einer der düstersten Jugendfilme der 1980er erstmals auf Blu-ray. Der Film lässt frösteln.

Ohne sie, die rührigen Kleinfirmen wie Bildstörung,  Camera Obscura oder Pidax (aus Riegelsberg) sähe die Welt des Heimkinos etwas dröger und uniformeller aus. Haben die großen Studios doch offenbar immer weniger Interesse, unbekanntere Filme aus ihren großen Archiven abzustauben und zu veröffentlichen – ganz zu schweigen vom liebevollen Anreichern mit sinnvollem Bonus-Material. Also springen kleine Unternehmen in die Bresche (beziehungswiese Nische), denen man durchaus unterstellen darf, Überzeugungstäter und Filmfan zu sein – denn auf diese Art reich zu werden, ist eher unwahrscheinlich.

Die Firma Camera Obscura bringt nun einen Klassiker des 80er-Jahre-Independentkinos heraus, einen filmisch ziemlich harten Brocken: „River’s Edge“ (1986), dessen deutscher Titel „Das Messer am Ufer“ etwas verquer ist, ist der Film doch gänzlich messerfrei. Das Werk wirkt wie ein finsterer Gegenentwurf zu den Jugendfilmen, die in den 80ern die Kinos füllten, wie „Pretty in Pink“ oder „The Breakfast Club“ – Filme, die immer etwas süßlich parfümiert wirkten. Durch „River’s Edge“ zieht sich dagegen drückender Provinzmief, kalt gewordener Zigarettentauch und das Aroma frisch geöffneter Bierbüchsen.

An einem bräunlichen Fluss in Oregon sitzt ein junger Mann und schreit – neben sich die nackte Leiche einer jungen Frau. Er hat sie umgebracht, aus keinem besonderen Grund, sie habe halt „Mist geredet“. Als er in seiner Clique von dem Mord erzählt, hält man das erstmal für einen Witz, bis er sie zu der Leiche führt. Die Reaktion: fast kollektives Achselzucken – was soll man schon machen? Die Gleichgültigkeit überwiegt, und den Freund ins Gefängnis gehen sehen will man auch nicht. Also halten sie erst einmal still und sich selbst heraus, bis auf einen besonders loyalen Freund, der sogar beim Transport der Leiche in den Fluss hilft.

Es ist ein Panoptikum der Empathie- und Ahnungslosen, das uns der Film zeigt, ohne nun erklären zu wollen, woher das kommt. Die klassischen Deutungsmuster der Erwachsenenwelt (damals böse Heavy-Metal-Musik, heute wohl die modernen Medien) ignoriert der Film, was ihn umso verstörender macht. Auf die Erwachsenen als Instanz kann man sich hier auch nicht verlassen, sie sind entweder mit ihrem eigenen Leben überfordert oder gleich ganz lebensuntüchtig – wie der einbeinige Ex-Rocker und Drogenhändler, den Dennis Hopper spielt. Autor Neal Jiminez hat sein Drehbuch auf mehreren Fällen gegründet, in denen es nach Leichenfunden einige Zeit dauerte, bis sich überhaupt jemand bei der Polizei gemeldet hat.

Ein Film also zum Grübeln, wobei das Bonusmaterial eine gute Hilfe ist: darunter ein Audiokommentar von Regisseur Tim Hunter, ein langes Interview mit Darsteller Daniel Roebuck (der den Mörder spielt) und einem Essay in Büchleinform – eine mustergültige Edition.

Erschienen bei Camera Obscura.

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