Regisseur Joseph Vilsmaier ist gestorben

„Comedian Harmonists“, „Stalingrad“, „Schlafes Bruder“ : Zum Tod von Regisseur Joseph Vilsmaier

Der Regisseur und Kameramann Joseph Vilsmaier („Schlafes Bruder“, „Comedian Harmonists“) ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Was die Regie betraf, war Joseph Vilsmaier ein Spätberufener. Als sein Kinodebüt „Herbstmilch“ 1988 ein enormer Erfolg wurde, war der Münchner, der am Dienstag im Alter von 81 Jahren gestorben ist, schon fast 50 – und einer der renommierteren deutschen Kameramänner. Einige Haferkamp-„Tatorte“ mit Hansjörg Felmy hatte er da schon fotografiert,  die Ruhrpott-Saga „Rote Erde“ und fürs Kino zwei Filme mit Dieter Hallervorden: „Didi auf vollen Touren“ und „Didi – Der Experte“.

„Herbstmilch“, nach den Erinnerungen der Bäuerin Anna Wimschneider, erzählt von Bayern und von deutscher Geschichte – Themen, die sich in fast allen seiner Filme wiederfanden.  „Rama Dama“ (1991) etwa beschreibt das Leben von Trümmerfrauen und die Nachkriegszeit in München, „Leo und Claire“ führte ins Nürnberg der NS-Zeit. Vilsmaiers aufwendigster Film war 1993 „Stalingrad“, produziert von Günter Rohrbach, mit einer der erschreckendsten Kriegssequenzen des deutschen Kinos – dem Panzerangriff im Schnee.

Die größten Erfolge drehte Vilsmaier, der bei seinen Filmen meist auch noch die Kamera führte,  in den 1990ern:  „Schlafes Bruder“ (1995) zeichnet das düstere Sittenbild eines moralisch engstirnigen österreichischen Bergdorfs im 19. Jahrhundert. „Comedian Harmonists“ (1997) erzählt vom Aufstieg des Berliner Vokalensembles und dem Kollaps der Originalbesetzung unter dem Druck des NS-Regimes, das den jüdischen Mitgliedern Berufsverbot erteilt. Der Film mit großer Besetzung (Ulrich Noethen, Heino Ferch, Ben und Meret Becker, Otto Sander) füllte die Kinos und hatte auch bei der Kritik, die Vilsmaier bei anderen Filmen bisweilen klischierte Figurenzeichnungen und dramaturgische Schwächen vorwarf, ein gutes Echo. Weniger Erfolg hatte der Nachfolgefilm „Marlene“, der einen anderen deutschen Mythos erkundete: Marlene Dietrich, gespielt von Katja Flint.

In vielen Filmen Joseph Vilsmaiers, der in der Branche gerne „der Sepp“ gennant wurde, spielte seine Ehefrau Dana Vávrová eine Hauptrolle: „Herbstmilch“, „Rama Dama“, „Bergkristall“. Sie beendete 2006 auch als Regisseurin den Film „Der letzte Zug“ über die Verschleppung Berliner Juden nach Auschwitz, nachdem Regisseur Vilsmaier bei den Dreharbeiten verletzt worden war.  Vávrová, Mutter dreier Töchter mit Vilsmaier, starb 2009 mit 41 Jahren an Krebs.

Ein Bild von den Dreharbeiten zu Joseph Vilsmaiers letztem Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“: der Regisseur sitzt vor seinen Hauptdarstellern Hape Kerkeling (links) und Michael Bully Herbig. Foto: dpa/Hendrik Heiden

Vilsmaier, der auch einige Naturdokus drehte,  konnte seinen letzten Spielfilm noch vollenden: Die Komödie „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ startet am 5. November in den Kinos – eine Weiterführung von Vilsmaiers deftig bayerischem 2008er Film „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“. Erneut spielt Michael Bully Herbig den Tod, der sich diesmal rettungslos verliebt und deshalb einen Pakt mit dem Tod (gespielt von Hape Kerkeling) eingeht.

Herbig verabschiedete sich am Mittwoch per Facebook bei Vilsmaier:„Joseph, mein lieber Freund, ich werde Dich so sehr vermissen! Dein mitreißendes Lachen, Dein herrliches Schimpfen, Deine einzigartigen Geschichten, Deine schier endlose Energie, Deine Spitzbübigkeit, Dein großes Herz, einfach Alles!“. Hape Kerkeling erklärte, Vilsmaier fehle als „genialer Künstler und humoriger Querkopf“.