Rebekka Bakken in Saarlouis

Rebekka Bakken in Saarlouis : Viel Genuss mit Rebekka Bakken

„Genuss“ – das war eines der deutschen Worte, die die norwegische Sängerin Rebekka Bakken häufig verwendete bei ihrem Auftritt im Saarlouiser Theater am Ring.

Vom guten Essen schwärmte sie, das sie tagsüber genossen habe, und vom Rotwein, der ihr auf die Bühne gebracht wurde. Gleichwohl bot die 48-Jährige auch selbst viel Genuss: Mit ihrer hervorragenden Band gab sie ihre ganze Bandbreite vom norwegischen Kirchenlied über Blues-Stücke und Popballaden zum Besten. Und sie erzählte viel von sich: vom Älterwerden und wie man es fertigbringt, sich zu schminken, wenn man ohne Brille nichts mehr sieht; oder von ihrer Kindheit, als sie sich in den Gottesdiensten zu Tode langweilte, aber trotzdem die Kirchenmusik zu lieben begann. Die 330 Zuhörer hatte sie mit dieser Offenheit schnell auf ihre Seite gebracht.

Jazzsängerin ist Rebekka Bakken eher nicht, auch wenn man sie häufig in diese Schublade steckt. Eher bewegt sie sich auf den Pfaden von Tom Waits. Der ist eines ihrer Vorbilder, den covert sie mit dem Song „Little drop of poison“, auch wenn sie, wie sie erzählte, nur an manchen Tagen weiß, worum es darin geht.

Insgesamt war im Repertoire viel Blues drin, viel Trinker-Melancholie, auch eine Prise Folk, manchmal Poppiges und höchstens ein Hauch von Jazz. Ihre Interpretation des besagten norwegischen Kirchenlieds begann sie mit viel Hall auf der Stimme, drunter lag ein bedrohlicher Basston. Da fand man sich plötzlich in der windumtosten norwegischen Dorfkirche wieder, in der einst die kleine Rebekka fasziniert den wunderbaren Melodien lauschte. Dann kam das pulsierende Schlagzeug von Rune Arnesen dazu, Bakken ließ die Stimme überschnappen wie früher Dolores O’Riordan von den Cranberries – und der starke Gitarrist Ola Gustafsson steuerte ein schräg-schönes Solo bei.

Abwechslung in der Stilistik, große Dynamik, dazu der sympathische Plausch mit dem Publikum, nicht zu vergessen der großartige Jesper Nordenstroem an der Hammondorgel – Rebekka Bakken machte so gut wie alles richtig. Vielleicht nur hätte sie eine weitere Zugabe geben können. Aber: Aus Saarlouis wolle sie erst spät aufbrechen und bald wiederkommen, versprach die Norwegerin.

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