Philosophin Agnes Heller gestorben

„Schweigen war für sie nie eine Option“ : Trauer um Philosophin Agnes Heller

Holocaust-Überlebende in Ungarn und anderen Ländern haben ihre Weggefährtin Agnes Heller gewürdigt, die am Freitagabend gestorben ist.

„Agnes Heller, ihre Empathie und ihr kritisch leuchtender Geist werden uns gerade in diesen Zeiten fehlen“, teilte das Internationale Auschwitz-Komitee mit. Hellerhabe die Schrecken des Holocaust sowohl von deutscher wie von ungarischer Seite erfahren, erklärte Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner. Die ungarische Philosophin und Soziologin war im Alter von 90 Jahren im Plattensee-Bad Balatonalmadi gestorben.

Als einer der wenigen aus ihrer Familie sei es ihr mit ihrer Mutter gelungen, den Deportationen und den Gaskammern von Auschwitz zu entkommen, sagte das Auschwitz Komitee. „Bis ins hohe Alter war die weltweit geachtete Philosophin in Ungarn antisemitischen Diffamierungen ausgesetzt: Selbst in der Universität wurde sie wegen ihrer jüdischen Herkunft als ‚nicht zugehörig’ attackiert.“ All dies habe Heller nicht geschreckt, erklärte Heubner. „Das populistische Hetztreiben der Orbans dieser Welt empörte sie zutiefst, aber Schweigen war für sie nie eine Option“, heißt es mit Blick auf den rechtsnationalen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Heller war eine Schülerin des ungarischen marxistischen Philosophen Georg Lukacs (1885-1971). Nach dem ungarischen Volksaufstand 1956 stellte sie den sogenannten real existierenden Sozialismus in Frage und wurde zur Dissidentin. 1977 emigrierte sie nach Australien. 1986 wurde sie Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der „New School for Social Research“ in New York. Nach der demokratischen Wende 1989 kehrte sie nach Ungarn zurück.

Auf Deutsch erschienen von ihr unter anderen „Theorie der Gefühle“ (1980), „Der Affe auf dem Fahrrad. Eine Lebensgeschichte“ (1999) und jüngst „Paradox Europa“.

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