Opernsängerin Jessye Norman ist mit 74 Jahren gestorben

Opernsängerin Jessye Norman ist gestorben : „Sie hat sich für uns ausgeschüttet“

Sie war ein weltweit bekannter Opernstar: Jetzt ist Jessye Norman mit 74 Jahren gestorben. Vor zehn Jahren gastierte sie auch in Saarbrücken – ein unvergessliches Konzert.

Jessye Norman, eine der größten Opernstimmen ihrer Zeit. Die Musikfestspiele Saar machten es damals möglich. Und auch wenn seinerzeit Festivalchef Robert Leonardy selten mit großen Namen geizte, die Norman, das war nochmal eins drauf: dieser wunderbare, warme Sopran mit den Songs aus den Musicals etwa von Gershwin und den Spirituals – ein Ereignis in der Ludwigskirche. Jetzt ist Norman gestorben – am Montag im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus in New York.

Jessye Norman wurde 1945 in Augusta, im Süden der USA geboren, wo die Gesellschaft scharf in Weiß und Schwarz geteilt war, der Rassismus alltäglich. Normans Eltern aber engagierten sich in der Bürgerrechtsbewegung und sorgten dafür, dass ihre Tochter eine fundierte musikalische Ausbildung bekam. Schon als Kind hörte sie Opern im Radio und studierte dann Musik in Washington. Dennoch war es für afroamerikanische Sängerinnen zu dieser Zeit sehr schwer. Die europäischen Bühnen waren da schon etwas liberaler. Nicht zufällig debütierte Norman denn 1969 an der Deutschen Oper Berlin. Und als eine der ersten dunkelhäutigen Künstler überhaupt stieg sie in der Opernwelt zum Star auf – gegen viele Widerstände. Doch ihre Begabung, ihr Können, ihre Durchsetzungsfähigkeit waren größer. Und schließlich feierte man sie als Wagner-Interpretin. Zu ihrem großen Repertoire gehörten aber auch Werke von Poulenc, Janáček, Verdi, Strauss und Schönberg – und ihre große Liebe der Jazz.

Die New Yorker Met, an der sie in rund 80 Aufführungen mitwirkte, teilte jetzt mit, man trauere um Norman, „eine der großen Sopranistinnen des vergangenen halben Jahrhunderts“. Generaldirektor Peter Gelb sagte: „Jessye Norman war einer der größten Künstler, die je auf unserer Bühne gesungen haben.“  Norman habe das Publikum mit ihrem schönen Ton, ihrer außergewöhnlichen Kraft und ihrem musikalischen Feingefühl begeistert.

Musikfestspiele Saar 2009; Konzert von Jessey Norman in der Ludwigskirche; SaarbrÙcken; 24.05.2009. Foto: uwe Bellhäuser/Uwe bellhäuser

Zahlreiche Kollegen und Stars betrauerten den Tod der Sängerin. „Was ein betroffen und traurig machender Verlust heute“, schrieb die Operndiva Renee Fleming auf Twitter und Sänger Rufus Wainwright kommentierte: „Die Welt hat eine der großartigsten Stimmen verloren, die wir je hatten. Sie hat sich für uns ausgeschüttet.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung