Saarländisches Staatstheater: „Oli“ bleibt, wenn auch nur als Gast

Saarländisches Staatstheater : „Oli“ bleibt, wenn auch nur als Gast

Bariton Olafur Sigurdarson scheidet aus dem Ensemble des Saarländischen Staatstheaters aus, wird Saarbrücken aber vorerst nicht verlassen.

Wer hätte den Sänger, Operndarsteller und Menschen Olafur Sigurdarson schon freiwillig ziehen lassen? Unvergessen sein „Falstaff“, noch ganz frisch in Erinnerung der „Simon Boccanegra“. Aber Bodo Busse, der neue Intendant des Saarländischen Staatstheaters hat seinen Vertrag nicht verlängert, und so wird man den beliebten Bariton aus Island in Saarbrücken nur noch als Gast erleben. Olafur Sigurdarson, oder „Oli“, wie ihn eigentlich alle nennen, geht nicht gerne. Er fühlt sich wohl im Ensemble und im Land.

Nach Saarbrücken kam er 2007, überzeugte als „Einspringer“ in der finnischen Oper „Kullervo“ und bekam 2008 von Dagmar Schlingmann einen festen Vertrag. Sigurdarson hatte schon mit Anfang zwanzig Familie, ging mit Frau und Kindern zum Studium nach England und Schottland. 2008 zog die Familie von Island ins Saarland. Das sei am Arsch der Welt, warnten ihn Opernkollegen. „Was wollt Ihr, wir kommen aus Island!“ lachte er nur. Auf der gedanklichen Landkarte war Deutschland wegen des Repertoires schon länger in Sigurdarsons Fokus, er dachte an Wagner, Strauss. In Saarbrücken sang er 2009 seinen ersten Wagner, den Lohengrin, erarbeitete hier die großen Verdi-Figuren: Rigoletto, Macbeth, Falstaff.

Als ausgesprochen kollegial empfindet „Oli“ die Arbeit am Saarbrücker Staatstheater. Nach der Premiere seien es vor allem die Leute hinter der Bühne, die das reibungslose Gelingen auf der Bühne gewährleisteten. Fast 150 Menschen arbeiten an einer Vorstellung, ob Maske, Kostüm oder Technik, der Kontakt sei eng, „auf einer Ebene, wir Sänger sind keine Stars in der Kantine.“ Er mag den Umgang auf Augenhöhe, das sei wie in Island. Als Isländer gut singen zu können, sei nichts Besonderes, „drei Isländer beieinander, das ist schon ein Quartett,“ scherzt er.

Ursprünglich wollte er Tonmeister werden und jobbte im Tonstudio seines Vaters. Der heißt „Diddi fidla“ und der Opa „Jon bassi“. Sie sind bekannte Musiker auf der Insel. Dann wurde ihm doch geraten, auf die Stimme zu setzen, er begann ein Gesangsstudium bei Gudmundur Jonsson. „Ein Lied ist nichts wert, wenn man die Worte nicht versteht,“ bläute der ihm ein. „Text! Dann folgt die Stimme,“ sagt auch Sigurdarson. Der Sänger legt auch auf das Schauspiel viel Wert. Für Christopher Aldens Inszenierung der Richard Strauss Oper „Salome“ ließ er sich sogar den Kopf rasieren. Aufreibende Probenarbeit mit forderndem Regisseur und einem Ergebnis, das all die Qual vergessen lässt – so schätzt er seinen Beruf. Im Idealfall gebe die Regie die Freiheit, die Figur zu entwickeln, Vorschläge zu machen.

Sein ganz persönliches Highlight in Saarbrücken ist die von Dagmar Schlingmann inszenierte „Tosca.“ Er verlieh der Figur des perfiden Scarpias Menschlichkeit, sang einen wunderbaren Puccini und –„wir haben viel gelacht und auf der Bühne isländisch gesprochen“ – für „Tosca“ stand der Familienmensch mit seinem Sohn Fjölnir (in der Rolle des Sciarrone) gemeinsam auf der Bühne, Tochter Brynja sang im Kinderchor des Theaters.

In Saarbrücken sei immer auch darauf geachtet worden, Partien zu finden, die seine persönliche Entwicklung stützen, vom in jungen Jahren lyrischen zum stark nachgefragten dramatischen Bariton, sagt er. Der „Fliegende Holländer“ zog ein Engagement in Helsinki nach sich, kürzlich sang er den „Telramund“ in Prag. Ohnehin ist der Terminkalender voll. „Ich singe in den nächsten Monaten in Australien, Dänemark, Finnland, Amerika.“ Rigoletto in Minnesota, Falstaff in Colorado. Die Familie wird erst einmal in Saarbrücken bleiben, im Herzen Europas.