5.Sinfoniekonzert: Nur wenige Visionen beim Staatsorchester

5.Sinfoniekonzert : Nur wenige Visionen beim Staatsorchester

Das 5. Sinfoniekonzert des Saarländischen Staatsorchesters nannte sich „Visionen“. Gab es die am Sonntagmorgen in der Congresshalle? Carl Maria von Webers Ouvertüre zum „Oberon“ gab wenig Anlass dazu, so uninspiriert und beiläufig ging es in die Feenwelt.

Und auch bei Gabriel Prokofiev (dem Enkel des großen Sergej) fiel es nicht leicht, sein „Carnet de Voyage“, ein Reisetagebuch mit Imaginationen von St. Petersburg, London und Wien, nachzuvollziehen. Es genügte wohl nicht, quirligen Straßenlärm, Röhrenglockenklang, Trommel-Donner oder bei Wien ein wenig Walzer à la Mozart und Webern zu suggerieren.

Nach mäßigem Erfolg beim „Oberon“ wurde das Waldhorn dann bravouröses Soloinstrument beim ersten  Konzert von Richard Strauss. Der armlose Felix Klieser spielt es mit einem Fuß, seine Karriere ist bewundernswert. Das jugendfrische Werk des 18-jährigen Strauss verlangt dem Solisten viel ab: Virtuosität, lyrische Melodieführung, blastechnisches Stehvermögen. In der Tongebung nicht ganz einheitlich absolvierte Klieser routiniert das Werk und bedankte sich für den Beifall mit dem Rondo aus Mozarts Hornkonzert KV 495.

Dirigent Jean-Yves Ossonce ist ein Kapellmeister der alten Schule. Präzise zeigte er das von ihm gewünschte Metrum, verließ sich auf den dynamischen Spürsinn der Musiker und gab wichtige Impulse. Das war etwas wenig an Inspiration, was der abschließenden 4. Sinfonie des weitgehend  unbekannten Albéric Magnard aber nicht schadete. Der französische Spätromantiker nahm keine Notiz von der aktuellen Musik um die Wende zum 20. Jahrhundert und pflegte den überkommenen Harmonierahmen langatmig, aber intensiv mit viel Tutti und wenig Differenzierung. Das Orchester setzte das klangvoll und standfest in Szene. Eine Musik, die vielleicht nicht zu Unrecht vergessen ist. Visionär ist sie nicht, aber: interessant.

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