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Not macht verschwenderisch

Not macht verschwenderisch

Draußen donnern die Granaten, im arabischen Edel-Hotel knallen aber nur die Sektkorken. Isabelle Stevers Film „Das Wetter in geschlossenen Räumen“ erzählt von Menschen, denen es gut geht, weil es anderen schlecht geht.

"Wenn ich jetzt mittanze, ist mein Projekt durchfinanziert", sagt die Entwicklungshelferin - und stöckelt hüfteschwingend über die Bartische in Richtung Tanzfläche. Dorothea, die Hauptfigur in "Das Leben in geschlossenen Räumen", arbeitet im arabischen Kriegsgebiet an einem Projekt, das Stipendien an Flüchtlingsmädchen für eine Londoner Universität vergibt. Das Geld treibt sie bei Charity-Empfängen auf, beim Becircen von Botschaftern reicher Länder im Luxushotel. Dort knallen die Champagnerkorken, während in der Ferne die Granaten donnern.

Isabelle Stever (Buch und Regie) erzählt von einer Frau, die sich konsequent betäubt - um die Angst vor der Gefahr auszublenden, aber vor allem wohl die Erkenntnis, dass sie dank des Elends um sie herum im Luxus leben kann. Eine Zufallsbekanntschaft in ihrem Bett kommt ihr ganz recht, ein junger Mann, der zusammenhanglos, aber mit Rehblick Sätze sagt wie "Ich würde für Dich töten" oder "Ich mach Dir jetzt ein Kind" und die Minibar leert. Langsam verliert Dorothea den Überblick und die Kontrolle. Diesen langsamen Kollaps spielt Maria Furtwängler packend, exemplarisch ist eine Szene, in der sie innerlich in sich zusammenfällt und ihr die Gesichtszüge entgleisen, während der Hofstaat ihre im Suff verwüstete Suite wieder herrichtet. Als Blick auf die Entwicklungshilfe will die Regisseurin den Film nicht verstanden wissen; ihr geht es um das Bild einer "Parallelwelt, die immer größere Schwierigkeiten hat, sich abzuschotten". Davon erzählt Stever ruhig, aber mit innerer Spannung.