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Konzert: Nichts für zarte Gänseblümchen

Konzert : Nichts für zarte Gänseblümchen

Die Rockband The Dead Daisies bot in der Saarbrücker Garage eine überzeugende, energiegeladene Show.

The Dead Daisies sind definitiv keine harmlosen Gänseblümchen, wie der Bandname beim ersten Lesen vermuten ließe, sondern eine Rockband erster Güte, deren Mitglieder alles andere als tot sind. Dementsprechend heizten sie den Gästen der Garage Saarbrücken am Dienstag auf ihrer „Burn it down“‑Tour tüchtig ein, obwohl das angesichts tropischer Temperaturen wohl kaum noch nötig gewesen wäre.

Die 2013 in Sydney gegründete Band ist wegen der vielen Besetzungswechsel wohl eher als Musikerkollektiv zu bezeichnen und die Biographien der derzeitigen fünf Mitglieder lesen sich wie ein kleines  „Who is Who“ der Rockmusik. Marco Mendoza war einst Bassist bei Thin Lizzy, Doug Aldrich spielte für Dio Gitarre und John Corabi sang bei Mötley Crüe. The Dead Daisies tourten unter anderem als Vorband von Aerosmith, ZZ Top und Kiss und das ist nicht zu überhören. 2015 waren sie als erste westliche Band im Rahmen eines Kulturaustauschs auf Kuba unterwegs.

Nach einer Dreiviertelstunde „AC Angry“ boten The Dead Daisies ein umfangreiches Programm bestehend aus Songs von ihrem aktuellen Album sowie älterem Repertoire von „Make some Noise“ und „Revolución“. Dabei schienen sie es sichtlich zu genießen, endlich mit ihrer eigenen Band im Mittelpunkt zu stehen, forderten jedoch konsequent die Mitarbeit des Publikums ein.

Corabi hat eine grandiose Rockstimme, agierte als Frontmann phänomenal und erkundigte sich mehrfach, ob ein Wiedersehen bei der nächsten Tour erwünscht sei. DieZustimmung des Publikums war auch Schlagzeuger Deen Castronovo gewiss. Aldrich demonstrierte ein Mal auf dem Boden rotierend seine akrobatischen Fähigkeiten beim Gitarrenspiel. Mendoza wanderte mit seinem Bass durchs Publikum und hatte sein Instrument gar mit echten Gänseblümchen dekoriert. Der australische Rhythmusgitarrist und Gründungsmitglied der Daisies, David Lowy hingegen agierte fast zurückhaltend und lieferte solide seinen Part ab.

Nach den Zugaben sah man glückliche Fans und am Merchandising‑Tresen fanden sich sogar für die Daisies‑Pantoffeln Abnehmer. Für einige Fans erwies sich jedoch die Zweiklassengesellschaft bei der folgenden Autogrammstunde als mislich, da nur die ersten 100 Besucher ein rotes Armband und somit Bleiberecht erhielten – alle anderen mussten gehen.

Einzig den undifferenzierten Sound gäbe es zu bemängeln, weil die Lautstärke für die Garage geringfügig zu hoch ausfiel. Ansonsten war es für Rockmusikfans ein unterhaltsamer und körperlich fordernder Abend, denn The Dead Daisies geben offenbar auch vor nicht ganz ausverkauftem Haus alles. Wohin auch immer ihr „Long Way to Go“ führt, sie werden bestimmt wiederkommen – Corabi hat es versprochen.