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New Orleans-Jazz mit Zwischentönen

New Orleans-Jazz mit Zwischentönen

Erfrischend zeitlos im Geist eines Jazz à la New Orleans ist das neue Album „Henry“ der Saxofonistin Nicole Johänntgen. Am Samstag stellt die gebürtige Saarländerin die Hommage an ihren Musiker-Vater in der Illinger Illipse vor.

Im Frühling dieses Jahres stattete Nicole Johänntgen, aus dem Saarland stammende Wahl-Schweizerin, dem Jazz-Mekka New Orleans einen Besuch ab. Im "Word of Mouth"-Studio nahm die Saxofonistin in Eigenproduktion an nur einem Tag ihr Album "Henry" auf. Mitmusiker waren der aus dem Pazifischen Nordwesten der USA kommende Jon Ramm (Posaune), Steven "TubaSteve" Glenn (Sousaphon) aus Denver und Schlagzeuger Paul Thibodeaux aus dem Südosten Louisianas. Sie alle haben in der Blue-note-Szene von New Orleans ihre Heimat gefunden und entfachen nun gemeinsam mit Nicole Johänntgen ein pumpendes und jubilierendes Feuerwerk. Fernab der sklavischen Reproduktion irgendeiner Oldtime-Stilistik wird erfrischend liberal und zeitlos im Geist eines Jazz à la New Orleans musiziert. Nicole Johänntgen hat die sieben Kompositionen zuvor in New York zu Papier gebracht: Offenbar ein Kreativaufenthalt, denn es herrscht kein Mangel an eingängigen Themen, die der Vierer - er kommt ohne Harmonieinstrument aus - zum facettenreichen Miteinander nutzt: Der kompakte Combosound lässt Freiräume zur Gruppenimprovisation und zu Soloausflügen. Vor allem das tiefe Blasinstrument soll Johänntgen inspiriert haben: Erfreulich ist tatsächlich, welche Ballett-artige Eleganz der klassisch geschulte TubaSteve mit dem Sousaphon-Jumbo an den Tag legt. "Henry" wird übrigens Johänntgens Vater Heinrich Johänntgen genannt; dem passionierten Dixieland-Jazzer hat Nicole das Album gewidmet. "Henry" heißt auch die ohrwürmige Eröffnungsnummer, die fidel im typischsten aller New-Orleans-Rhythmen einhertänzelt.

Freilich wird nicht ausschließlich Gute-Laune-Musik geboten, daneben gibt es zahlreiche getragene und melancholische Zwischentöne - und auch da ist die Jazzlaune nicht zu überhören. So animieren Johänntgen & Co nach (leider) nur gut 37 CD-Minuten zum Betätigen der Wiederholungstaste.

Am Samstag, 19.30 Uhr, erklingt in der Illinger Illipse eine europäisierte und erweiterte Live-Version von "Henry": Mit Nicole Johänntgen (Saxofon) jazzen David Beglinger (Gesang; Schweiz), Izabella Effenberg (Vibrafon; Polen), Christof Thewes (Posaune), Jörgen Welander (Tuba; Schweden) und Jonas Ruther (Schlagzeug; Schweiz).

Infos, Karten: www.illipse.de/programm/event-detail/nicole-jo-projekt-henry-1075/