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Neue Übersetzung von „Asterix“

Neue Übersetzung von „Asterix“ : „Gallier“ wagen Charmeoffensive auf die USA

Bislang wollen amerikanische Leser von „Asterix“ nicht viel wissen. Eine neue Übersetzung soll das nun ändern.

In den USA sind sie seit langem vernarrt in Brot, Käse und Wein aus Frankreich. Aber einem der größten französischen Exporte widerstehen die Amerikaner bislang hartnäckig: Der berühmte Comic-Held Asterix ist in den USA so gut wie unsichtbar. Ein Verleger will das nun ändern.

Der auf Graphic Novels für alle Altersklassen spezialisierte Verlag Papercutz bringt „Asterix“-Bände in diesem Sommer in neuer englischer Übersetzung heraus – die sich speziell an amerikanische Leser richten soll. „Im Vergleich zum großen Erfolg weltweit haben wir hier viel Potenzial“, sagt Papercutz-Chef Terry Nantier, der seine Jugend in Frankreich verbrachte. „Wir versuchen, es für ein amerikanisches Publikum so ansprechend wie möglich zu machen.“

Hier kommt Joe Johnson ins Spiel. Der Professor für Französisch und Spanisch an der Clayton State University im US-Staat Georgia hat Hunderte Comics und Graphic Novels übersetzt. Er ignorierte die bestehende „Asterix“-Übersetzung und nahm sich direkt die französischen Originale vor. „Die entscheidende Frage ist für mich: „Was wird ein Kind wohl verstehen?““, sagt Johnson.

Die von Comiczeichner Alberto Uderzo und Autor René Goscinny 1959 erfundenen „Asterix“-Bücher wurden in 111 Sprachen übersetzt. Weltweit wurden rund 380 Millionen Bände verkauft und zahlreiche „Asterix“-Filme gedreht. Nach Goscinnys Tod 1977 übernahm Uderzo, der im März dieses Jahres starb, viele Jahre lang Text und Illustration. Die letzten drei Ausgaben von „Asterix“ wurden von Jean-Yves Ferri geschrieben und von Didier Conrad illustriert. Der jüngste Band „Die Tochter des Vercingetorix“ erschien im Oktober 2019.

Johnsons Übersetzungen der Geschichten sind nun straffer und leichter zugänglich als ihre Vorgänger. So verkündete in den alten Büchern etwa der Dorfälteste: „Und nun erkläre ich die Feierlichkeiten für eröffnet“ („And now I declare the revels open!“). In den neuen sagt er: „Lasst die Feier beginnen!“ („Let the party begin!“). Bisher waren die Amerikaner offenbar immun gegen den Charme der Gallier – womöglich, weil für viele das Römische Reich und die lateinische Sprache weiter weg sind als für Europäer. Nantier glaubt dennoch daran, dass sich auch amerikanische Leser für Asterix‘ Abenteuer begeistern können. „Es hat eine universelle Anziehungskraft.“

Der Verleger setzt darauf, dass alle Leser auf ihre Kosten kommen: Für die Kinder gibt es Situationskomik, für die Erwachsenen Parodie. So reisen Asterix und Obelix in fremde Länder und machen sich oft über die Menschen dort lustig: Die Briten trinken warmes Bier, die Spanier nutzen jede Gelegenheit zum Tanzen. Zwar beruht ein Großteil des Humors auf französischen Wortspielen. Doch jedes Buch wurde an die Leserschaft in unterschiedlichen Ländern angepasst. So entstanden etwa englische Figurennamen wie Ginantonicus und Crismus Bonus (auf Deutsch: Marcus Ecus und Gaius Bonus). In den meisten Bänden tauchen Charaktere auf, die auf berühmte Persönlichkeiten verweisen, wie etwa Sean Connery als Geheimagent Nullnullsix in „Die Odyssee“.

Für Übersetzer Johnson war die Arbeit an den Comics eine große Herausforderung, wie er erzählt. Denn bei „Asterix“ spielten der Text und Wortspiele eine wichtige Rolle. Manchmal habe er sich einen ähnlichen Witz wie im Original einfallen lassen oder sogar einen neuen Song als Ersatz für einen veralteten. Selbst der dargestellte Sound unterscheidet sich. Beim Aufprall eines großen Steins hieß es in der alten Version „Kerplonk!“, heute ist es ein „Thuddd“.